Finde es heraus.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Desolat


Manchmal da gibt es Tage da ist alles ok.
Alles.
Nicht wundervoll, schon gar nicht außergewöhnlich, auch nicht überragend, aber man sagt:
„Hey, es ist ok!“
Und dann gibt es Tage, wie diesen hier.
Jetzt.
Ich sitze hier in diesem JETZT,
draußen gießt es und es scheint als wären die Scheiben undicht und die Tropfen würden auf meinen Kopf plätschern.
Außen gießt es- innen gießt es.
Ich sehe scheiße aus.
Objektiv gesehen, wahrscheinlich nicht.
Wer braucht an solchen Tagen objektiv?
Ich fühle mich zumindest scheiße.
Ein stumpfer Tag.
Noch nicht einmal so einer, bei dem man sagt:
„Wow, ich geh dann später los, lass mich volllaufen und mit ein wenig Glück auch richtig durchnehmen, in einer Umgebung aufwachen, von der man am morgen davor nicht zu träumen gewagt hat.
Es gibt sie.
Diese Rock´n´Roll Momente.

Durchsaufen, Durchnehmen  Durchmachen, Durchringen , Durchhängen - LEBEN !!

Aber nein, heute ist ein verfickter, stumpfer Tag.
Es regnet.
Es gießt.
Mir ist fad.
Desolat.

Es nervt, dass du ständig in meinen Gedanken rumtrampelst.
Dass jede beschissene Minute- dass du einen Bruchteil von ihr ausmachst.
Ich hasse dein schönes Gesicht.
Noch mehr hasse ich all die Perfektion an dir.
Du bist so herrlich unperfekt an den richtigen Stellen, genau da wo es in der Rille knackt.
Ich hasse es, dass ich dich liebe.
Aber Liebe oder besser Hass, ist nichts weiter als eine lächerliche, kriminelle Unterabteilung von Liebe.
Ich will dass du dich verpisst.
Geh endlich.
Ich finde 2 Jahre sind genug.
Abo ist abgelaufen.
Ohne dich, bin ich besser wieder ich.

Ich finde uns kitschig.
Ekelhaft kitschig.
Neverending Story- für Arme.
Unfinished Symphony- für Taube.
Lovestory- für Blinde.

Geh einfach, geh zurück zu ihr und schwängere ihren Kopf mit deinen Bildchen.
Siehst du was du aus meinen Tagen machst?
Pure Kackofonie.
Puren, puristischen Scheiß.
An mir ziehen die Tage vorbei.
Menschen vorbei.
Gelegenheiten vorbei.
Hurerei vorbei.
Ich bin loyal- halte mich hin wie ein Stück Papier.
„ Hier Schätzchen, mal es an!“
Es gießt und gießt.
Der perfekte Tag zum depressiv sein.
Ich bin aber noch nicht einmal depressiv.
Maximal schlecht gelaunt vielleicht.
Stumpf.

Du stehst wahrscheinlich auf deinem Board-
mit deinem hässlich perfektem Gesicht.
Wie oft haben wir uns jetzt schon in die Hölle geschickt?
Und wie oft wieder fein säuberlich herausgezogen?
Wie oft wieder weg und wieder da?
Ich kann es nicht zählen, mir sind die Zahlen abgehauen.

Ich hab es versucht, weißt du?
Nicht einmal und schon gar nicht zweimal.
Ich bin aufgewacht -alleine.
Ich bin aufgewacht-neben anderen.
Ich habe sie geküsst.
Ich habe ihn geküsst.

Ich habe beide gleichzeitig geküsst.
Ich hatte stille Nächte: A la, fuck off, lass mich!!!
Ich hatte wilde Nächte: A la, fuck me, bloß nicht!!!
Ich hatte große Körper, kleine Körper, gute Körper, Seelenkörper, Liebeskörper.
Klänge, Stöhnen in meinen Ohren..
Ich hab es von vorne versucht.
Von hinten versucht.
Habe getrunken um dich wegzuwischen, zu vergessen.
Töricht- Alkohol konserviert.
Gesichtslose Fratzen.
Nicht lieben - ficken !!!!
Lieben war ja für dich reserviert.
Geh jetzt einfach, geh.
Wie du siehst es wird Zeit.

Heute ist ein verfickter, stumpfer Tag.
Es regnet.
Es gießt.
Mir ist fad.
Desolat.





 


Donnerstag, 14. Juli 2011

Sinne


Ich dachte ich habe außerordentliche Fähigkeiten.
Vielleicht war ich an einigen Tagen einfach gut drauf
oder habe zu viel Fern gesehen.
Manchmal können Bücher diese Aufgaben übernehmen.
Sie verarschen unsere Vorstellungskraft.
Manchmal schummeln sie ganz gewöhnlichen Menschen,
ganz unsagbar unverschämte Dinge vor.

Auch hatte ich eine Zeitlang das Gefühl ich könnte
überdurchschnittlich gut riechen.
Ich könnte alles erriechen.
Essen, Parfum, Sex. Dreck. Jahreszeiten. Schlechte Charakter.
Ich bildete mir ein, ich könnte jede Lilie als eine Rose verkaufen und aus einem Bouquet ein ganzes Symposium der Sinne zaubern.
Ich hätte weniger Süskind lesen sollen und vielleicht ein wenig besser meine Nase putzen.

Auch dachte ich dass meine Augen Wunder bewirken können.
So sah ich inmitten menschlicher Schutthaufen, kleine Lichtblicke,
charakterliche Totalausfälle, schön drapiert in tollen Marken.
Das macht es irgendwie hübscher.
Und was hübsch ist, kann doch nicht schlecht sein, denn schlecht hat bekanntlich einen ganz hässlichen Nachgeschmack.
Ich sah wundervolle Lippen, die prächtig auf meine zu passen schien und wenn man sich einigte, war es ein ganzer Haufen voller Dinge, die das Leben einem schenken konnte.
Ich habe dir bestimmt mehr Bonus zugeschrieben, als du nur mindestens zur hälfte verdient hättest, aber da glaubte ich noch an meine Augen und an
einen ganz anderen Sinn.

Ich dachte ich könnte auch sehr gut tasten.
Das Einzige was mich jedoch berührt hat, als ich es anfasste, war nichts
von Maschinen erschaffene.
Es war etwas was man mir nicht in die Finger legen konnte.
Tasten.
Ertaste mal deine Seele.
Es ist unfassbar was sie dir dann so erzählt.
Wir kümmern uns um sie ja auch erst wenn sie quietscht
und dann kommt da auch wieder das Problem mit dem Hören.

Ich habe wirklich viel gehört.
Irgendwie so viel, dass mir der Kanal verstopfte.
Eines Tages haben all die Dinge ihr Esperanto verloren.
Wie kann man auf Dauer all die Lügen zur Wahrheit umwandeln?
Das ist genau so wie der mit dem predigendem Wasser und saufendem Wein.
Alles hat seine Grenzen und wenn ich mal jetzt ehrlich bin, es sind ja nur Worte.
Es geht ja viel tiefer und wenn du sie dann auch noch falsch gewählt hast,
sind sie so ganz klitzekleine perfide „Da-bleiber.“
Sie fressen sich fest und dann sage mir einer,
dass das mit dem Hören irgendwie gut ist.

Ich kann noch etwas.
Ich kann ganz gut fühlen.
Manchmal kommt mir das Sehen in den Weg
und ab und zu taste ich an den falschen Ecken,
das Riechen ist in diesem Fall aber nicht so entscheidend.
Ich fühle.
Ich fühle mich nicht immer gut.
Nicht immer so, dass es zu einem Anderen gerade passt, aber ich fühle.
Ich habe mich selten „ver-fühlt“
Denn wenn dir alles irgendwie einstürzt oder du auf sentimentale Art und Weise , vielleicht im Lebenswahn wieder denkst : Wozu das Ganze? ,  dann sagt das Gefühl eins und daran halte ich fest:

“It´s better to burn out than to fade away. “

Wir haben es doch immer überlebt.
Wir werden es wieder.
Mit allen Sinnen.


Montag, 4. Juli 2011

Lozanos Klänge


"Du bist eine gute Freundin,
die Beste, die Einzige, der doppelte Boden,
die gute Verbindung, das fest gestrickte Netz“,
prasseln die Worte durch die Leitung.

Vielleicht bist du betrunken.
Aus Vorliebe zur Sucht.
„Manchmal kann man es sich nicht aussuchen“,
sagst du.
Ich wusste, dass du genau das finden würdest.

Damals.
17, voll von allem.
Du ,ich, San Francisco.
Tage geschwänzt, Leben gekostet.
Height Street, Hippieaction, Mintchocolat.
Bier geklaut, ab in den
Wagen, raus in die Welt.
Was kostet die Welt unter Palmen?
Was kostet überhaupt etwas, wenn man sich hat?

Schnitt.

Du sprichst nicht viel.
Tagelang manchmal nicht.
Seitdem das damals passiert ist.
Es hätte mir auch die Sprache verschlagen.
Ich weiß noch vor 3 Jahren.
Auf diesem Berg, 5 Stunden, gefüllt mit 8 Sätzen.
Ich verstehe dich auch wortlos.

Der Abschied von dir, ein Letzter.
Wie verabschiedet man sich, wenn einer
nicht mehr da ist?
Wir existieren weil jemand an uns denkt-
nicht umgekehrt.
So sollte es sein.
So ist es bis heute.

Heute klingelt das Telefon.
Es klingelt regelmäßig einmal die
Woche.  
Ich gehe ran wenn der AB nüchtern klingt.
Und schwimme in deiner Klangwelt.
Manchmal fühle ich mich durch dich sehr alt,
ausgehöhlt und leer gesogen.
Manchmal bin ich wieder
im Passvorzeigealter.
Angekommen an deiner Hand.
Im Cabrio mit luftigen Gedanken.
Ausgebranntes Holz in meiner Nase.
Wehende Palmen im raschelnden Gehör.
Und du sagst:
 
„Sehnsucht haben ist ja nicht schlimm,Karolina,
du hast schöne
Dinge erlebt und jetzt fehlen sie dir“!

Und auf einmal wurde aus einem doppelten Boden, ein Fundament.
Lozanos Klänge.

Pixelherzen