Finde es heraus.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Eine Weihnachtsgeschichte, die keine ist




Die  Lichter in den Fenstern, blinkend, unaufhaltsam, rücksichtslos.
Es interessiert sie nicht , sie kreuzen Blickfelder und Gemütszustände.
Draußen schiebt der Schnee eine Wand von einem Schuh zum anderen.
Wir fluchen darüber, vor ein paar Jahren machten wir Engel aus ihm.
Schmissen uns in sein Nass.
Vielleicht hatten wir billigere Kleidung oder mehr Leichtigkeit oder es interessierte uns einfach nicht , warum wir uns von einer Erkältung nicht aus dem Alltag reißen sollten.
Früher war nicht alles besser, es roch nur anders.

Die Menschen lächeln gehetzte Fratzen.
Es riecht an allen Ecken.
Bratwurst, gebrannte Mandeln mit fein süßlicher Gehässigkeit, unter dem christlichem Mantel der Vorfreude.
Die Kaufhäuser platzen vor Licht und surrenden Kassengeräuschen.
Ein Schnäppchen eingepackt in Geschenkpapier.
Müll, tonnenweise angehäuft und so fein dekoriert als Geschenkidee.
Spart euch die Mühe, backt mir lieber etwas.

Wir werden Weltmeister im Termine schieben.
Wer bei wem das Hüftgold holt.
Wie wir uns beglücken mit dem alljährlichen Pflichtgefühl der Nächstenliebe.
Nein, ich kann dich nicht besser leiden weil eine 24 davor steht und weniger auch nicht.
Eigentlich bist du mir egal.
Dann fangen sie an in die Kirche zu gehen, hier ein Groschen für den christlichen Segen, beim Vatterunser halten sie den Mund, sie kommen nicht über die erste Zeile und schließen ab, innigst:
„ Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort so wird meine Seele gesund.“
Was für eine Blitzheilung.

Menschen fühlen Einsamkeit.
Wieso eigentlich Weihnachten?
Das Unglück kennt keine saisonalen Schwankungen.
Vielleicht denke wir mehr nach, weil im Dunkeln oft weniger zu tun ist.
Die Wunden ummantelt vom großzügigem Schatten.

Ich schaue in mich hinein.
Möglicherweise in der großartigen Hoffnung irgendwelche
Erkenntnisse aus Erfahrungen zu finden.
Alles was ich dort sehe ist, ich habe dir nicht verziehen.
Ich werde es auch nie tun.
Scheiß auf Weihnachten und Nächstenliebe.
Auf etikettierte Gefühlsschablonen.
Wir passen in kein Raster.
Hier greift der Spruch nicht, dass Hass nur eine kriminelle Unterabteilung von Liebe ist, nein, Hass ist Hass und Gleichgültigkeit ist Gleichgültigkeit und Liebe ist Liebe.
So wiederholt sich das innere Mantra fast von selbst:

„Eine Rose ist ein Rose ist eine Rose….“

Gefühlsebenen passen nicht in Jahreszeiten.
Es gibt kein An-Knopf.
Es gibt kein Aus-Knopf.
Es können Milliarden Lichter brennen und Tannen stehen.

Es geht hier nicht um Wiedergutmachung oder Besänftigung.
Es geht um Vergebung und am besten fängt man bei sich an.
Es geht eigentlich nur um Vergebung.


Was ihr feiert, ich wünsche ein gutes Fest.




Mittwoch, 27. Oktober 2010

"Es gibt Dinge die enden und dann gibt es uns"




Unendliche Male haben wir es an unsere Herzenswände geschrieben.
In bunten Farben und lauen Nächten.
Mit vollgetrunkenen Worten in neongefärbter Jugend.
Versprechen haben wir gegeben.
Die Tatsächlichen.
Die Unmöglichen.
Solche die keinen Platz finden auf Papier, ihnen wäre die Welt zu klein.
Über den Rand geschrieben, in krakliger Schrift, klar deutlich lesbar.
Esperanto der Herzen.

Wir waren großartig- im Beat des Lebens.
Immer eine Spur schneller, Offbeat, Heartbeat…poch, poch, poch…
Fühlst du den Beat?
Eisgefrorene Hände im Jahreswechsel.
In Hoffnungsschimmern badend, da jeder Anfang ein Datum hat.
Wenn auch nur kalendarisch.


Wir schauen hinein ins Körperinnere.
Suchen die Häfen und Anker längst verloren geglaubter Leichtigkeit einer Seele.
Manchmal suchen wir auch diese, weil sie unter all dem Smog der Gedanken
auf der Überholspur des Alltags gegen die Planke fährt.
Erinnern ist eine gute Eigenschaft um vieles lieber in Vergessenheit geraten zu lassen.

Wir sind frei.
Frei zu wählen und zu bleiben.
Frei zu lieben und doch zu gehen.
Und doch ist Freiheit nicht gleichbedeutend mit einem Freibrief  für Willkür.

Wir sagen Worte.
Ganz warmgetrunkene und schmerzverzerrte.
Ich habe mir sagen lassen, Worte bleiben länger als blaue Flecken.
Du dir anscheinend nicht.
Deine schlagen immernoch nach.

Ich habe oft gesagt dass du das Größte für mich bist,
seltsam wie Dimensionen sich verschieben.
Auf einmal bin ich der Riese im Zwergenland.
Wir sind Comichelden unserer eigenen Welt mit tagestauglichen Grafikkarten.
Tetris des Alltags.
Zack wieder eine Reihe weg und die Zahl unserer Jahresringe klettert.

Wir erinnern uns.
Das ist das Einzige was uns bleibt, wenn wir es wollen.
Wir waren nicht immer schlecht, wir beide.
Wir wurden nur zu einer gewöhnlichen Angelegenheit.
Zu einer die man jedem Fremden erklären könnte, hätte er
auch nur eine Sekunde das Interesse.
Es gibt tatsächlich Dinge die enden und nun gehören auch wir dazu.

Leb wohl. Für immer.

Donnerstag, 23. September 2010

Ich war glücklich



Ich war glücklich.

Wahrscheinlich aus heutiger Sicht schier unmöglich.
Wenn es nicht klingelt oder piept oder irgendwo in Neonschrift aufleuchtet.

Als ich fünf war gab es 3 Sender.
Vor den Nachrichten kam die Gutenachtgeschichte.
Es gab keine Werbeunterbrechungen und wahrscheinlich weniger Zahnpasta
in den Regalen als jetzt, das war okay, denn 5 zur Auswahl reichten auch.

Ich trank Wasser aus dem Wasserhahn und machte mir keine Gedanken darüber ob die Kupferrohre irgendwie verpestet waren oder die Bleibelastung sich auf meine Organe auswirken würde.

Ich schlug Knie auf, riss Löcher in meine Klamotten und der doofen Milka in
der 5.Klasse ihre Haare aus.
Ich kloppte mich und es gab kein Disziplinarverfahren, sondern einen versöhnenden Händeschlag und man verbündete sich neu.

Ich hatte keine Playstation, Nintendo, X-Box, Computer , Internetchatrooms, Counterstrike Communities, überhaupt gab es keine Communities und Anglizismen waren unnötig.

Ich trug keine Uhr, denn wir spielten solange auf der Straße bis die Laternen angingen. Manchmal überzog man und sagte einfach, man hätte es nicht mitbekommen.
Die innere Uhr hatte einen guten Rhythmus.

Man verabredete sich.
Komischerweise hielt man Wort.
Keine Wenn und Abers .
Keine unvorhersehbaren Staus, keine plötzlichen Durchfallattacken oder Migräneanfälle, die man schnell per Sms mitteilen konnte.
Worte sind geduldiger als Taten.
„Um fünf  Uhr an der roten Telefonzelle“, ich könnte es beschwören,
wir waren sogar 4 Minuten früher da.

Man lernte sich kennen, durch ansehen und nicht durch Bilder im Netz.
Die Mimik, die Gestik, der Geruch. 
Heute fotografiert man sich von oben, damit man schlanker wirkt.
Verzieht grenzdebil hässliche Münder, zeigt sich von seiner besten Seite, bearbeitet Bilder in Photoshop um tatsächlich etwas zu sein , was man nie im Leben ist.
Man lügt sich in die eigene Tasche und was schlimmer ist, dem Unbekannten in die fremde, denn die Realität zieht einem einen Strich durch die Rechnung.

Jeder macht irgendetwas.
Höher. Weiter. Schneller. Besser.
Wir denken alle so.
Der eine kann ganz famos schlecht singen, er muss es uns zeigen.
Popstar, Superstar, What-the-hell-star.
Wir twittern, zwitschern, schlafen mit Handy am Bett.
Und wie viele Klicks hat dein Youtube Video?
Nackte Brüste die uns anlachen, an jeder Ecke, auch in die die man nicht sehen mag.
Wir sind wer wir sein möchten.
Wir erfinden uns immer neu.
Wir wissen nicht mehr wer wir waren, bevor wir wurden was anderen gefällt.

Wir lieben alle lieber im Lightformat, damit der Kummer 
hinterher  keine XXL-Hosen braucht.
Wir vertrauen nicht.
Hinter jedem Worte steckt der Teufel im Detail.
Wir suchen den Fehler.
Wir suchen immer den Fehler.
Denn ein Wort zählt heute nicht, denn wir gebrauchen unsere so
beliebig wie es gerade nützlich sein könnte.
Die Matrix ist beschädigt.

Wir sind so oder so und tatsächlich hat diese Aufzählung kein Ende als Ziel.
Jedoch das was in mir wohnt und was sich Erinnerung nennt, gibt mir noch die Hoffnung all das kann weiterleben und noch einmal beginnen.
Ich muss es nur wollen.


Freitag, 17. September 2010

Sommer





Duftende Restsommernächte und ich presse den Körper
an den knochigen Leib.
Warm, voller Druck an die gewölbten Stellen.
Widerstand.
Die Blumen knicken im vertrockneten Gras,
unser Gewicht drückt doppelte Kuhlen in den Sandboden.
Wir atmen warme Luft ein.
Wir atmen warme Luft aus.

Drum ´n´ Bass pocht durch uns hindurch.
Als wenn es sich aufzwängt.
Als wenn es sagen würde:
„Hier, nimm mich!“
Was soll ´s , komm in unsere Mitte.
Deine bemalten Arme pausen Schatten auf meine weiße Haut.
Lächerlich schlechte Gemälde im Mondlicht.
Nachts sind alle Katzen grau, sogar die jämmerlich Schönsten.

Grillfleischgeruch, nackte Beine und wallende Hitze.
Sag die richtigen Worte, fass an die falschen Stellen.
Hipster Generation unter freiem Himmel.
Bunte Klamotten, zerrissene Fetzen.
Ich würde es nicht als Lappen benutzen
und es ziert ihren kleinen knackigen Arsch.
In einer lauten bunten Sommernacht.

Wrack´ mich ab. Wrack´ dich ab.
Lebe dich durch, heute Nacht.
Der Soundtrack deines Lebens unter freiem Himmel.
Gezäunte Wünsche, getürmte Träume.
Küssende Münder, warmgetrunkene Körper-
im Takt.
Silhouetten werfen Schatten.
Warmer Schoß und nasse Gedanken.

Am Zaun sehe ich zwei wippende Körper-
ihr seid jung.
Komm leb´ dich aus, komm mache weiter.
Der Mauerpark beherbergt alle Gäste.
Am Rande seiner Möglichkeit.
Ich schaue zu.
Vielleicht kann ich noch etwas lernen.
„Nein, kann ich nicht“ erkenne ich.

Wir sind okay.
Sind wir?
Es ist Sommer, wir müssen.
Das Gegenteil gehört dem Winter.



Freitag, 10. September 2010

Papier



Ich streiche über das Papier, das fünfte oder sechste.
Die Worte füllen nur Fläche.
Keinen einzigen Sinn.
Geschriebene Striche in Reihenfolge.
Worte, ordnungsgemäß und doch nichts sagend.
Aneinander gereihte Erinnerungsfetzen und
doch nicht annähernd so bunt beschrieben, wie erlebt.

Die Hände, braun und weiß, ineinander geflochten.
Nicht weil sie müssen, sondern weil sie keine andere Wahl haben.
Weil sie dort anfassen wo keine Silben Platz nehmen.
Wo sie treffen, direkt in die Mitte.
In manchen Tätigkeiten kann man sich finden, in anderen verlieren.

Das Holz atmet aus seinen Poren und ich sage
lächerlich Dinge um die Stille zu überlisten.
In unseren Worten schwang viel wenn und aber.
Zwischen den Sätzen machten wir lange Pausen, die im Bauch schmerzten.
Einen echten Vorwurf machten wir nicht.
Dafür hundert winzige falsche.
Es kommt der Spruch in Sinn, der mit dem Mutigen und dann mit dem Feigling.

Ich denke zurück.
Wie ich auf schwachen Beinen wanke, in die Summe aller „Aber…“.
Wie ich unaufhörlich nach dem Anker suche, den beide nicht bereit sind zu setzen.
Wie deine Bilder in meinem Kopf ihr Reihenhaus bauen.
Was wohl blaue Augen mit einem Paar braunen für eine Lösung ergeben?
Wie es ist, in einem Zelt voller du und ich einzuschlafen, obwohl die Luxussuite nebenan frei ist.
Wie die Finger mein Gesicht berühren und du leise meinen Namen sagst.
Und ich dir ein Stückchen dieses Namens überschreibe.
Schön.
Nicht außen, nicht nur.
Innen.

Wie zwei Hälften ungewisser Weise, aus Furcht und Feigheit nie die Möglichkeit bekommen ein Ganzes zu werden.
Weil niemand den Regen abwarten wollte, um zum Regenbogen zu kommen.
Und all das ohne ein Abschiedskuss, denn Abschiedsküsse versprechen ein Wiedersehen und Versprechen liegen uns nicht.

Papier.




Montag, 6. September 2010

Öffnet gutes Aussehen Türen oder verschließt es sie?




So ist es nicht ungewöhnlich, wenn gut aussehenden Frauen in Bars öfters einer ausgegeben wird. 
Oder wenn beim Vorstellungsgespräch der gewünschte Job gerade an die Dame geht, die die längeren Beine, die schöneren Haare und das makellose Lächeln vorzuweisen hat, trotz möglich schlechterer Qualifikationen.
Auch scheint es ungerecht, dass genau diese Frauen an ihr Ziel gelangen, als jene die zielstrebig dafür arbeiten und Gott sie eher mit einem scharfen Verstand, als mit einer makellosen Nase ausgestattet hat.

Aber ist dieses zugleich Gesetz?
Schließt das Eine das Andere zeitgleich aus?
Sind Intelligenz und Schönheit zwei Dinge, die nur nebeneinander fungieren und nicht konform gehen und sich durchaus die Hand reichen können?
Sowohl ist auch das schwer zu bemessen, denn Schönheit ist bekanntlich subjektiv und liegt im Auge des Betrachters.
So kann ein großer Mund den Einen entzücken, dem Anderen wiederum ein Graus sein.
Aber es gibt sie nun mal diese messbare Schönheit, diese allgemeine Norm die dazu gezählt wird.
Die Symetrie eines Gesichts, welche oft das Herz oder das Auge oberflächlich erfreut.
Und von dieser Schönheit ist hier die Rede.

Es gibt immer Schubladen die Kategorien erfüllen.
So stecken Menschen andere Menschen gerne in diese Schubladen und schließen diese meistens auch zu.
Geben ihnen keinen Raum zum Atmen.
Es gibt viele dieser Schubladen und Massen dieser Schränke in denen sie ruhen.
Ein ganzes Möbelhaus voll.

Letztens habe ich ein Gespräch geführt.
Ein gutes Gespräch, ein interessantes Gespräch mit einem Mann.
Schönheit. Verstand. Dummheit. Arroganz. Hässlichkeit. Seele. Menschlichkeit.
Ich denke es gibt viele Sprüche die jeder kennt, die Vorurteile nähren, die Klischees bedienen:
Blond und blöd.
Frau gleich handwerklich ungeschickt.
Hübsch aber nichts im Kopf.
Dumm fickt gut…..und intelligent fickt dann schlecht?
Auch diese These oftmals widerlegt, je höher die Intelligenz, desto höher das Einfühlungsvermögen, aber das nur am Rande und auch nicht dass es hier von Bedeutung wäre.

So führe ich dieses Gespräch, offen für neue Sichtweisen,
gespannt auf neue Pfade und komme zugleich zu folgender Erkenntnis:
Es ist nicht vorrangig wie man aussieht, natürlich ist es Bonusmaterial wenn man schöne Augen hat, aber gleichzeitig ob es Türen öffnet oder diese durch Vorurteile verschließt, hängt im hauptsächlichen Maße von einem selbst ab.
So ist die Persönlichkeit und die Offenherzigkeit eines Menschen viel blendender als das Äußere zu versprechen vermag.

So habe ich wunderschöne Frauen gesehen, wo jede beliebige Straßenlaterne mehr Ausstrahlung hatte
als die soeben genannten.
So habe ich Frauen gesehen, intelligente Frauen, mit Tiefgang, mit kleinen Makeln, die so faszinierend waren, dass man fast an genau diese Straßenlaterne gelaufen wäre.

Und zugleich lässt es mich erkennen, dass alle Zeitschriften, die um die Leserschaft ihrer Auflage buhlen, mit konkreten Tipps, Tricks und Ratgebern zu nichts verhelfen, außer zu völlig grenzdebilen Erkenntnis, sich genau darüber Gedanken zu machen und möglicherweise nach Formaten zu suchen, welches jenes belegt, anderes widerlegt und drittes zerlegt.

So bleibt mir abschließend festzustellen, dass Türen da sind zum Öffnen, Hindurchgehen, Schließen und erneutem Öffnen.
Sie haben Scharniere und das ist auch gut so.


                                            Real Beauty lies in the eyes of the beholder....


Freitag, 27. August 2010

Spiele


Spiele
(von Selim Özdogan)

Stell dir vor, dieser ganze Schmerz wäre echt.
Weißt du noch, wie du in diese Frau verliebt warst oder in diesen Mann, wie auch immer, und du konntest achtzehn Monate an nichts anderes denken.
Und du bist nicht erhört worden.
Stell die vor, dieser Schmerz wäre echt.
Oder wie du erhört worden bist, und die Frau oder der Mann hat dir keinerlei Respekt entgegengebracht, nur Liebe und Träume, und dich dann verlassen,
weil du diese Last nicht
tragen konntest.
Oder wie du sie mit einem anderen im Bett erwischt hast.
Oder wie dein Stolz verloren gegangen ist, unterwegs in einer Beziehung.
Stell dir vor, dieser Schmerz wäre echt.
Oder der Schmerz der Frau, die nicht mehr in den Spiegel sieht.
Oder der Mann, der zwanzig Zentimeter zu klein geraten ist.
Der Schmerz, wenn du deinen besten Freund auf der Welt verlierst.
Oder der Schmerz, der kommt, wenn du wieder zu lange alleine bist.
Wenn dir jemand in den Rücken fällt, der Schmerz, wenn du die Wahrheit gerade nicht hören wolltest, der Schmerz, wenn du feststellst, dass du dich schon über Wochen wie ein Arschloch
benimmst.
Der Schmerz, wenn du nicht weißt, was du mit diesem Leben hier anfangen sollst.
Scheiße, Alter, stell dir vor, dieser ganze Schmerz wäre echt.
Das Leben wäre nicht zum Aushalten.


Mittwoch, 18. August 2010

Postsecret



Ein Projekt über außergewöhnliche Geständnisse von gewöhnlichen Menschen.

Im November 2004 hatte Frank Warren 3000 Postkarten gedruckt, mit der freiwilligen Aufforderung an die Menschen ihre innersten Geheimnisse mit ihm zu teilen.
Geheimnisse, welche sie noch nie mit jemand geteilt haben.
Anonyme Geständnisse, in kurzer Ausführung, niedergeschrieben auf  Postkarten, ohne Absender aber mit bekanntem Empfänger.
Die Gestaltung ist frei.
Kurze prägnante Sätze.
Wünsche, Ängste,  Freuden, perverse Vorlieben, gelebte wie auch erwartete Vorkommnisse des Lebens.
Seien sie so verworren oder klar erkennbar.
Frank verteilte diese auf der Straße, steckte sie in Bücher in öffentlichen Bibliotheken, hinterließ sie in Kunstgalerien.
Nach kurzer Zeit erreichten ihn die ersten Geheimnisse.
Er stoppte die Verkündung seines Projektes, jedoch war dieses schon allein durch die Mundpropaganda und durch die Idee an sich, zu einem wohl funktionierenden Selbstläufer geworden.

Kurze Sätze, auf  liebevoll gestalteten blanken Postkarten.
Eine jede, einzigartig , wie die Genetik jedes Menschen, da wohl auch jeder Mensch seine Empfindungen als einzigartig in sich verwahrt.
Das Projekt wurde zu einem weltweiten Erfolg.
Postkarten aus aller Welt, in jeder Sprache, mit jeder gefühlten, befürchteten Emotion, füllten langsam, aber sicher die Kisten seines Archivs.
Er entschied sich dazu die schönsten, vielleicht auch die, die am quälensten waren, in einem anonymen Bücherband zu veröffentlichen, um der Welt oder auch den Menschen, welche über ihren Schatten gesprungen sind, ein Denkmal zu setzten.
Ein Gefühl von: „Du bist nicht allein!“ zu vermitteln.
In jeder erdenklichen Sprache, die zu einer Einheitssprache wurde, nämlich der des Herzen und vielleicht auch der Menschlichkeit, kann man fast erkennen, dass Emotionen die gleichen Silben benutzen und der Turmbau von Babel hier gänzlich versagen würde, weil es keiner Verwirrung bedarf und sich jeder ein Stückchen in den geschilderten Geheimnissen wieder erkennen kann.

Postsecret ist mir zufällig über den Weg gekommen, von einem Mund zu dem anderen und doch überhörte ich es nicht, wie so einiges, sondern blieb ich stecken, in der einfachen, aber einzigartigen Idee.
Ich fing an zu lesen, fand vieles wieder, was ich vielleicht unter Umständen gerne für immer begraben hätte oder was ich vergessen hatte, aber glücklicherweise unter schallendem Gelächter wieder zum Vorschein brachte.
Kleine Anekdoten des Lebens.
Hoffnungsvoll-hoffnungslos, aber immer wahrhaftig, unbeschönigt und vollkommen ehrlich unter dem Mantel der Anonymität.
Es sind keine großen Worte.
Keine Dichter.
Keine Weltliteratur.
Jede Bildungsschicht.
Aber vielleicht ist es gerade das, nein, ganz bestimmt ist es das, was einen nicht mehr loslässt.
Von Mensch zu Mensch und manchmal auch über vieles unmenschliche.


Wir alle haben Geheimnisse: Ängste, Hoffnungen, Glauben, Fantasien, Beschämungen, Verrate.
Wir erkennen sie möglicherweise nicht auf den ersten Blick, aber sie sind ein Teil von uns.
Allgegenwärtig.
Vielleicht können manche sie wundervoll überdecken, zur Seite schieben und in ihrem eigenen Archiv verstauben lassen.

Ich kann das nicht.

Danke Frank.

Sonntag, 15. August 2010

Schwäche


Schwäche.

Du hattest keine.

Ich hatte eine.

Ich liebte.



Donnerstag, 12. August 2010

Enttäuschung





Ich saß am Tisch und sprach zu dir:

Verschone mich
mit einer
weiteren
Enttäuschung.
   Das Herz kann all die alten kaum verdauen.

Du sagtest:

Das wäre mein größtes Geschenk an dich,
ich nehme dir die Täuschung.

-Ich ent-täusche dich-

Zum Glück bin ich geblieben.




Montag, 9. August 2010

Das Friedsche Vielleicht.





In einer Menge von Auswahlmöglichkeiten,
in den Wenn und Abers
dieser Zeit.
In dem Wählen können, 
nur entscheiden müssen,
ist das Vergessen,
der Lichblick jeglicher
Möglichkeit.

Sie sagt: „Ich habe die Wahl, schon immer.“
Er sagt: „Deshalb wirst du nie etwas wählen, wie immer.“

Als ich letztlich in diese Augen schaute
und wirklich ganze Welten sah.
Spiegelverkehrte Antworten auf
längst verschlossene Fragen.
Hinter dem unknackbarsten Schloss.
Kein Schlüssel der Einen öffnet,
nur die Erinnerung.

     Vielleicht.

       Erinnern
        das ist
       vielleicht
             die qualvollste Art
                                                               des Vergessens
                                                                und vielleicht
           die freundlichste Art
     der Linderung dieser Qual.




Mittwoch, 4. August 2010

Hier geblieben


       salz auf deiner haut 
unvollkommen
genommen

nicht erwidert
worte lebendig- inständig
rührselig und zähmend
lähmend

stöhnend getrieben
-hier geblieben-
nahe gekommen
in sich zerronnen
seele genommen
in die flucht getrieben
eingeholt und wieder erklommen

sich zahllos verbiegen
sich krümmen und wiegen
sich erzählend getrieben
-hier geblieben-
sich ineinander geschwiegen

-sich lieben-
 

Montag, 2. August 2010

Stateless




Gefühlte Restfetzen,
irgendwo zwischen wissen wollen,
fühlen können.
Tag für Tag, lebst du dich ein wenig hinweg.
Weg von gestern.
Von ihr.
Von ihm.
Von sich selbst.

Ich stehe auf.
Die Füße berühren den Boden.
Wacklig unter all der Last,
wie zwei falsch
zusammengeschraubte Glieder.
Nach einer durchzechten Nacht.
Wirbelt Restgefühl,
anstandslos im Magen.
Wie schlecht verdauter Fisch,
ein übler Nachgeschmack.

Das Herz pocht unbekannte Rhythmen.
Der Gedanke, wankt zwischen
erinnern wollen und unbedingt vergessen.
Der Schoß noch warm.
Von letzter Nacht.
Vom letzten Akt.
Vom Rest der Gedankenlosigkeit.
5 Minuten freier Fall.

Gedanken gehen fremd und der
Körper zuckt zu fremden Herzschlägen.
Poch, poch, poch…wie weit bist du?
Wie weit weg von dir?
„You can cover the world with your thumb!”
Holzschachtelwelt.

Steine im Magen,
unverdaulich,
unaufhörlich.
Schönes Mädchen mit blauen Augen
und lachendem Gesicht.
Hinter all den Farben-
niemand sieht dich.

Und alles was bleibt sind Kästner´s Worte:

„Man fühlt, man könnte einem was bedeuten.
Es ist nur traurig, dass es ihn nicht gibt.
Und dann umarmt man sich mit fremden Leuten
Und wird zu einer von den vielen Bräuten,
Die sich nur lieben lässt und selbst nicht liebt.“

Das Mädchen geht und traurig nickt.



Mittwoch, 28. Juli 2010

Golden









In bunten Farben,
mit grellen Herzen voller
„Wie und Wo´s ?“
Schrille Sonnenbrillen mit verflochtenen Haaren,
in blühenden Kleidchen.

Hausflurstufen auch angesagte Clubcafes,
laue Sommernächte mit
warmgetrunkenen Mündern.
Inhalierend, die Dämmerung
den Tau, die Stadt
und manchmal den Dreck.

Die Gesichter glatt gezogen,
vollgeschrieben mit allen Möglichkeiten,
doch voller Stirnrunzeln-
es gilt sich zu entscheiden.

Rote Lippen,
stramme Brüste,
hängende Hosen.
In allen Tönen, es geht um Töne.
Um heller und dunkler.
Mehr Schein, denn Sein kostet Erfahrung.

Leichtigkeit badet in selbst
erkorener Schwere.
Was soll der Geiz?
Man kann es sich noch leisten.

Aufgerissene Schuhe,
gut platzierte Löcher.
Wohl behütet und gepaart mit
Mamas teurem Glitzern.

Es zählt nur Jetzt,
der frische Duft im Nacken,
der warme Schoß,
die kühle Briese.
Unter dem Rasensprenger des Lebens.
Was kostet die Welt in frühen Lebensstunden?

Ein Blick hier und einer dort.
Von dem Mädchen an der Bahn.
Von dem Jungen hinter der Litfaßsäule.
Ein Verlieben zwischen U-Bahntür 
öffnen und schließen.

               Sprünge in Regionen, die kleinen Beben ähneln.
Kaum rüttelt es, schon auferstanden aus Ruinen.
Kurzes Kichern in frischen Tönen,
eher aus den höheren Regionen.
Manchmal voll von Rebellion,
oft sogar das Gegenteil.

Alles ist nicht leicht und schon gar nicht lösbar.
Er hat mehr Groove, sie mehr Style.
Das richtige Herz am falschen Fleck.
Das falsche Gesicht zur richtigen Person.
Nichts passt und doch sitzt alles felsenfest am
vorgeschriebenen Platz.

Es ist so hart und doch so einfach.
Es kommt so unbemerkt wie es verschwindet.
Wir alle haben es oder hatten es.
Ein mancher vielleicht für immer.


Wir waren jung.


                                         Start & do it.

Pixelherzen