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Mittwoch, 18. August 2010

Postsecret



Ein Projekt über außergewöhnliche Geständnisse von gewöhnlichen Menschen.

Im November 2004 hatte Frank Warren 3000 Postkarten gedruckt, mit der freiwilligen Aufforderung an die Menschen ihre innersten Geheimnisse mit ihm zu teilen.
Geheimnisse, welche sie noch nie mit jemand geteilt haben.
Anonyme Geständnisse, in kurzer Ausführung, niedergeschrieben auf  Postkarten, ohne Absender aber mit bekanntem Empfänger.
Die Gestaltung ist frei.
Kurze prägnante Sätze.
Wünsche, Ängste,  Freuden, perverse Vorlieben, gelebte wie auch erwartete Vorkommnisse des Lebens.
Seien sie so verworren oder klar erkennbar.
Frank verteilte diese auf der Straße, steckte sie in Bücher in öffentlichen Bibliotheken, hinterließ sie in Kunstgalerien.
Nach kurzer Zeit erreichten ihn die ersten Geheimnisse.
Er stoppte die Verkündung seines Projektes, jedoch war dieses schon allein durch die Mundpropaganda und durch die Idee an sich, zu einem wohl funktionierenden Selbstläufer geworden.

Kurze Sätze, auf  liebevoll gestalteten blanken Postkarten.
Eine jede, einzigartig , wie die Genetik jedes Menschen, da wohl auch jeder Mensch seine Empfindungen als einzigartig in sich verwahrt.
Das Projekt wurde zu einem weltweiten Erfolg.
Postkarten aus aller Welt, in jeder Sprache, mit jeder gefühlten, befürchteten Emotion, füllten langsam, aber sicher die Kisten seines Archivs.
Er entschied sich dazu die schönsten, vielleicht auch die, die am quälensten waren, in einem anonymen Bücherband zu veröffentlichen, um der Welt oder auch den Menschen, welche über ihren Schatten gesprungen sind, ein Denkmal zu setzten.
Ein Gefühl von: „Du bist nicht allein!“ zu vermitteln.
In jeder erdenklichen Sprache, die zu einer Einheitssprache wurde, nämlich der des Herzen und vielleicht auch der Menschlichkeit, kann man fast erkennen, dass Emotionen die gleichen Silben benutzen und der Turmbau von Babel hier gänzlich versagen würde, weil es keiner Verwirrung bedarf und sich jeder ein Stückchen in den geschilderten Geheimnissen wieder erkennen kann.

Postsecret ist mir zufällig über den Weg gekommen, von einem Mund zu dem anderen und doch überhörte ich es nicht, wie so einiges, sondern blieb ich stecken, in der einfachen, aber einzigartigen Idee.
Ich fing an zu lesen, fand vieles wieder, was ich vielleicht unter Umständen gerne für immer begraben hätte oder was ich vergessen hatte, aber glücklicherweise unter schallendem Gelächter wieder zum Vorschein brachte.
Kleine Anekdoten des Lebens.
Hoffnungsvoll-hoffnungslos, aber immer wahrhaftig, unbeschönigt und vollkommen ehrlich unter dem Mantel der Anonymität.
Es sind keine großen Worte.
Keine Dichter.
Keine Weltliteratur.
Jede Bildungsschicht.
Aber vielleicht ist es gerade das, nein, ganz bestimmt ist es das, was einen nicht mehr loslässt.
Von Mensch zu Mensch und manchmal auch über vieles unmenschliche.


Wir alle haben Geheimnisse: Ängste, Hoffnungen, Glauben, Fantasien, Beschämungen, Verrate.
Wir erkennen sie möglicherweise nicht auf den ersten Blick, aber sie sind ein Teil von uns.
Allgegenwärtig.
Vielleicht können manche sie wundervoll überdecken, zur Seite schieben und in ihrem eigenen Archiv verstauben lassen.

Ich kann das nicht.

Danke Frank.

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