Finde es heraus.

Freitag, 27. Januar 2012

Lunge voller Leben


Wenn ich draußen stehe und die kalte Luft in meine Lungen ziehe, um mich herum  nur Felder, stelle ich mir vor dass dahinter die Welt nicht mehr existiert. Alles was man nicht sieht, ist  nicht da.

Die kalte Luft fräst sich in meine Lugenflügel und der große See vor mir, nebelt einen Schleier über seine Oberfläche.
Manchmal wenn die Sonne untergeht stehe ich dort und beobachte das rot, blau, gelbe Farbspiel, als wäre es nur für mich gedacht und dann komme ich mir so nichtig vor, wie ein klitzekleines Teilchen in einem Werk, welches auch ohne mich voran kommen würde.
Manchmal auch übersteigt meine Vorstellungskraft jegliche Talente, die ich im Stande wäre nur in meinem Kopf zu besitzen und manchmal bin ich Goliath im Zwergenland, der dir die Welt erklärt.

Ich denke oft daran, wie sehr wir gescheitert sind in unseren Annahmen die Welt passe in unsere Westentasche und das Leben wäre nur auf Lunge zu rauchen.
Ohne uns würde das Rad sich nicht drehen und ohnehin gibt es noch mehr zu entdecken als ein solches Rad.
Welche Revolutionen doch noch auf uns warten.
Ich habe das Leben mehr als 100 mal auf meine Lunge geraucht und geliebt bis an den Rand des Wahnsinns, auch wenn mein Herz dabei mehr als über die Hälfte gar nicht anwesend war.

Ich habe Sommer gekostet und mit dem Winter geweint, nicht weil er so schön sein kann und man ihm mehr und mehr unrecht tut, sondern weil er auch manchmal ein Herz bei Minusgraden ganz schön aus seiner Verfassung schütteln kann.
Ich habe das Leben gekostet, wie manch anderer nur zu träumen wagt.
Der Soundtrack meines Lebens ist laut, stinkig und voller prachtwürdiger Farben.
Ich habe Freundschaften geschlossen, ohne Bedingungen und Freundschaften verlassen, weil Menschen sich eben verlassen.

Ich habe unwirkliche Situationen gesehen, von Menschen geschaffen, welche sie aber dann als Wunder verkaufen und wahrlich es waren welche, ob gute oder schlechte, das sei dahin gestellt.
Ich habe ganze Bücher in meinem Kopf geschrieben und war mir der geselligste Gesprächspartner.
Ich hatte stets eine Antwort auf meine Frage und sei sie doch so simpel, so rührt sich innen etwas, ob gut oder schlecht.
Hauptsache es rührt sich.
Hauptsache es schlägt.

Ich habe mich klein gehalten, damit vielleicht jemand vorbei kommt und mir zeigt zu welchen großen Dingen ein Mensch imstande ist und bin doch gescheitert an manch einer Vorstellungskraft.
Ich habe Reichtum gelebt, solch einen den dir ein Geldstück kaufen kann und ich habe versucht in dürren Zeiten nicht nur mit Wasser zu kochen.
Denn Reichtum, habe ich gelernt, das ist ein innerer.
Im übertragenen Sinne habe ich mit Königen geweint und mit Bettlern gelacht, wobei ich selbst immer einer von ihnen war, zumindest auf Augenhöhe.

Das Leben hat mir viel abverlangt, aber nicht weil das Leben verkehrt ist oder weil ich alles falsch mache.
Auch meint das Leben es nicht schlecht mit uns, da bin ich mir sicher.
Aber was bei dem Einen fruchtet und ihn zufriedenstellt , ist des Anderen noch lange nicht der Garten seiner Träume.

Und so stehe ich am Feldweg, ganz getrennt von dieser Welt, gar nicht im Stande sich ihr auch nur angehörig zu fühlen und frage mich ob irgendwo am Ende meiner Sichtweite auch jemand sitzt und seine Lunge mit Leben füllt.



Dienstag, 17. Januar 2012

Tausend Tode und ein Leben.

Wir sterben jeden Tag.
Manchmal immer wieder aufs Neue.
Immerzu ein wenig.
Manche sterben sofort.
Ganz schnell, mit allem was sie haben, besitzen, waren und der Möglichkeit dessen, was sie hätten werden können.
Sie fallen um und der Puls holpert schwach im Staccato bis zur langen Linie.

Manche sterben tausend Tode .
An einem Tag .
Man sagt der Feigling stirbt tausend Tode, der Mutige nur einen.
Die Welt würde aus den Fugen platzen, wären wir alle Helden.

Manchmal stirbt auch eine Idee oder eine Vorstellung, wobei diese meistens nicht weiterkommen als an die Grenze jener Vorstellung derer , an die sie gekoppelt ist.
Wer erwartet, lebt und wer lebt, übt das Sterben jeden Tag ein bisschen,
jedenfalls im Rahmen seiner Erwartungen.
Ich habe mich oft an meiner Erwartung verschluckt, aber immer kam jemand im letzten Augenblick und klopfte mir auf den Rücken.


Auch Liebe stirbt.
Ich habe mich oft gefragt wo sie hingeht, wenn sie geht?
Und ob sie dort an diesem Platz vielleicht jemanden findet,
der ihr etwas von der Seele nimmt?
Manchmal da schläft die Liebe auch nur etwas ein, weil sie müde ist von dem ganzen Sterben und Erwarten, Hoffen, den Lügen und den Rechtfertigungen.
Man kann sie aber reanimieren.
Das sagt die Erfahrung.
Manchmal muss man den Tod einfach auf den Kopf stellen und der Sand läuft
in der Uhr noch einmal rückwärts.
Vieles ist möglich.

Ich habe ganze Lebensentwürfe baden gehen sehen, nicht wollen ist der Grund, nicht können der Vorwand.
Dann muss man sich neue Entwürfe machen.
Ich kämpfe trotzdem, auch wenn die Vergangenheit mir einen Strich durch die Zukunft macht.
Auch die Verzweiflung hat ihre Extase, habe ich gehört.
Wobei man manche Gedanken am liebsten verbrennen möchte.

Es war die schönste Zeit, wenn mir das bloß jemand gesagt hätte.
Ja, das macht der Tod.
Er bringt uns das Leben vor die Augen.
Und deshalb ist das Sterben gar nicht schlimm und ich habe keine angst, denn
nur wer lebt kann sterben und vielleicht sind tausend Tode und ein Leben einfach nur eine wirklich gute Art und Weise neu zu beginnen.

Pixelherzen