Finde es heraus.

Montag, 28. Juni 2010

Wegketten







Wir gehen.
Überall.
Wege.
Um die Ecke.
Manchmal zusammen.
Dann getrennt, manchmal auch nur ein Stück.
Im Grunde, doch stets bei sich und vielleicht
nie ganz , wirklich ganz zusammen.

Wir gehen Beziehungen ein.
Die ganz großen.
Dann auch die zweckmäßigen.
Die wegen der kalten Nächte und der schlechten
Kompromisse.
Manchmal lieben wir im Light- Format, damit
der Kummer hinterher keine XXL-Hose braucht.
Manchmal lieben wir für eine Nacht, oft sogar lieben
wir nur diese Nacht.
Wenn wir uns schwitzend wenden und Löcher reißen und
seien es, Gott sei Dank, nicht immer die eigenen.

Manchmal geht man zu seinen Eltern.
Und dankt ihnen in Gedanken, was sie
doch für Wunder vollbracht haben, weil
Sie doch um so ein weiteres, großartiger sind als
das was man zu werden hofft.
Es gibt auch das Gegenteil.
Aber auch Gegenteile haben Erinnerungen.
Schlecht hat als Konkurrent immer wenigstens
passabel.

Manchmal geht man in Gedanken ganze
Länder ab.
Schläft unter Palmen und surft auf den
Wellen des Lebens.
Riecht den Alltag hinweg, durch Jod und
Kokosöl, auf dem kreischenden Bürostuhl, deiner
warmgelaufenen Bilder.

Wir gehen Freundschaften ein.
Lieben bis aufs Blut, fetzen bis aufs Messer.
Manche trennen sich, die ganz glücklichen,
verändern sich nur.
Unberührte erlischen unbemerkt, aber auch das
ist des Weges wert.
Hass ist nichts weiter als eine kriminelle
Unterabteilung von Liebe.
Manchmal verflucht man sich und manchmal
fehlt jeder weitere Atemzug, weil FRÜHER kein
Ort ist zu dem man fahren kann.

Wir gehen.
Überall.
Wege.
Bist du schon einmal falsch abgebogen?
Es sind lauter Pfade von Mensch zu Mensch.
Von Familie, zum Liebhaber, zur Liebe, zum Freund, Vertrauten.
Im Nachhinein weiß ich Dinge immer von Anfang an.


Und doch sagte einmal ein schlauer Mann:
 "Stell dir vor dieser Schmerz wäre echt. Das Leben wäre nicht auszuhalten."

Steh auf und geh weiter, an Kreuzungen begegnet man sich.

Montag, 21. Juni 2010

Eins.Zwei.Drei.


Bar.

Langer Mantel, dunkle Hose, eine Mütze schief auf dem Kopf.
Kariert.
Die Augen dunkel umrandet.
Was für Züge durch deine Kopfbahnhöfe rasen?
Es ist Samstag.
Ein Geburtstag.
Ein guter Tag, zwischen all den schlechten.
Ich nippe an meiner Cola, die eiskalt im Rum schwimmt.
Du sitzt auf dem Hocker, umzingelt von vertrauten Herzschlägen,
die mit meinen Offbeat gehen.
Dein Oberlippenbart irritiert mich.
Ich versuche hinter ihm das passende Gesicht für meine Vorlieben zu finden.
Ich komme nicht sehr weit.
Ich setze mich zu dir.
Ich erzähle, du inhalierst mich.
Ich schaue weg, aber diesen Blick fängst du.
Du bist nicht mein Typ Mann.
Du bist mein Typ Mensch.
Ich suche in dir ein wenig von mir.
Ich finde viele Worte, die sich gut ineinander haken.
Solche die einen eher zusammenfügen, als auseinander reißen.
Ich glaube dir.
Bedingungslos.
Dein Beruf ist Schauspieler.
Akt eins.

Bett.

Ich liege rechts.
Links ist es wärmer.
Aber du kannst nur links, denn der Nordwind weht und bringt schlechte Träume.
Es ist dunkel, ein kleines Licht ohne Lampenschirm.
Ich sehe Kleinigkeiten, die zu einer anderen Frau gehören.
Kleine Tapse des Lebens, verschollen in Wohnungswinkeln.
Ich übersehe sie.
Sie haben nichts mit mir zu tun.
Ich fahre mit meinem Finger über deinen Oberkörper.
Umkreise deinen Bauchnabel und stocke über der kleinen Wölbung unter ihm.
„Ich bin fett “ höre ich dich sagen.
Ich lache, weil ich mich an deinen Rippen stoße.
Atme ein, aus, ein, aus.
Ewigkeiten atme ich.
Ich bin bei guter Puste.
Ich erzähle.
Finde keinen Punkt, kein Komma, überspringe Absätze.
Wir sind einander nah-näher als ich mir in den vergangenen Wochen selbst war.
Wir teilen.
Das macht immerhin die Hälfte dessen, was man sonst alleine tragen müsste.
Ich mag dich.
Es sind nicht Tage, die uns vorgeben was wir einander fühlen lassen.
Es sind Augenblicke.
Zeitfenster.
Du schläfst.
Ich gehe.
Akt zwei.

Berlins Strassen

Ich sitze im Taxi.
Das Radio läuft, Multikulti.
Es ist Berlin, das muss wohl so sein.
Der Fahrer ist in meinem Alter.
Es riecht nach Gras.
Es war der Abschlussjoint, lasse ich mir sagen.
Meine Augen sind müde, wandern an den Schneeflocken entlang, die sich an der Fensterfront kräuseln.
Dein Geruch klebt mir an den Haaren, wie die Augen des Fahrers an meinem Gesicht.
Die längste Kurzstrecke meines Lebens.
Mein Herz pocht unbekannte Takte-Herzryhthmustörungen.
Ich denke an den Satz:
„Wir standen uns so nah, dass es zwischen uns keinen Platz gab für Gefühle.“
Ich lache ein wenig über den Irrsinn dieser Aussage.
Das Taxi hält- „Möchtest du noch einen Kaffee trinken?“
Nein, ich möchte nicht.
Ich zahle und gehe.
Akt drei.

Das ist die Geschichte von zwei Nackten in drei Akten.

Montag, 14. Juni 2010

Manchmal



Ich beobachte Menschen.
Jeden Tag.
Am Bahnhof.
Durch mein Fenster.
Gegenüber.
Wenn ich mich umdrehe und wenn ich versuche wegzuschauen.
Bei manchen fällt das Wegschauen leicht.
Ungefähr so wie man wegschaut, wenn man ein Bonbonpapier fallen lässt.
Bei anderen macht das Hinschauen Spaß ungefähr so, wie Eis essen oder Bier trinken.

Ich schaue mir Bilder an.
Fremde Bilder sind mir die Liebsten, seine eigenen kennt man.
Man übersieht sich sehr gerne im Alltag.
Man langweilt sich mit seinen eigenen Zügen.
Ich schaue immer auf die kleinen Dinge, die versteckten.
Die Details, der rote Socken zur lila Tischdecke.
Die Blumenvase, drapiert mit wild gepflückten Blumen.
Die Pünktchentapete und das weiße Sofa.
Dann stelle ich in Gedanken meine Möbel um.
Weil ich ein Stück von davon haben möchte.
Man möchte immer irgendetwas haben.
Ein wenig Bewegung, weil nichts konstanter ist als
genau diese.

Ich schaue in Gesichter.
Harte.
Weiche.
Alte.
Junge.
Manchmal mag ich was ich sehe.
Oftmals nicht.
„Alt sein ist genauso eine schöne Aufgabe, wie jung sein“
Ich höre das immer im Kopf wenn ich Falten verurteile.
Fremde Falten, mein Gesicht ist glatt.
Ich finde das ist ein schöner Satz, jedoch hört er immer
auf schön zu sein, wenn mein Knie knackt.
Dann ist alt sein keine schöne Aufgabe mehr.

Letztens habe ich Curry Gäng Ped gegessen.
Nummer 25 auf der Karte.
Der Tag war lau, das Essen scharf.
Das Alleinsein macht mir nichts aus.
Im Gegenteil, es gibt oft nichts schöneres.
Man gewöhnt sich an seine Gesellschaft,
oft die Beste die man haben kann.
Ich esse Nummer 25 und schaue auf
die Straße.

Ich sehe dieses Mädchen.
Ich mag ihre Haare.
Braune Haare.
Blonde Haare interessieren mich nicht.
Sie ist schön, schön sind aber viele.
Ich gucke ihr nach, sehe unter den wehenden
Rock.
Mag ihre strammen Beine, den forschen Schritt.
Das schlampig übergezogene Shirt, verknotet an den falschen Stellen.
Die Züge wechseln von jung zu überfordert und gehetzt.
Ich frage mich wie sie im Bett ist.
Mein Curry wird kalt.
„Scheiße“, denke ich mir, während meine weiße Bluse
voller Flecken ist.
„Fein Essen gehen war noch nie drin“, denke ich gelangweilt.

Mauerpark.
Der Mann ist kein großer.
Er hat verkrüppelte Beine, schleppt sich hinter einem
Rollwagen her.
Er versucht es.
Immerhin.
Sein Gesicht hat drei Leben gelebt.
Ein drittel Drogen, ein drittel Alkohol, ein drittel Frauen.
Ich weiß nicht welches Drittel ihm den Rest gegeben hat.
Ich bleibe stehen und beobachte ihn heimlich.
Ich denke mir: „Verdammt armes Schwein, tauschen will ich nicht.“
Weggucken auch nicht.
Macht ja keiner.
In Deutschland sowieso nicht, nur wenn es darauf ankommt.
Ich bin froh, dass er kaputter ist, ohne dieses Gefühl ich sei
ein schlechter Mensch, dennoch ein guter Feststeller.
Am Ende ist man doch immer selbst schuld.
Oder wie sie es immer sagen.
Fragen tun sie nicht.

Es ist 2.00 Uhr morgens.
Samstags.
Ich nehme die S-Bahn.
P´Berg nach Charlottenburg-6 Stationen.
2 Welten, lächerlicher Schick auf lächerlichen Kitsch.
Eine Stadt und Babylons Bahnhof der Unterschiedlichkeiten.
Ich hätte das Auto nehmen können, ich verzichte gerne darauf.
Manchmal.
Nicht wegen der Promille, sondern wegen der Menschen.
3 Jugendliche stehen an der Tür.
Zwei Jungs, ein Mädchen.
Hässliche Prollkleidung, ich würde ihnen nicht „Hallo“ sagen.
Es ist laut um sie herum.
Der eine mit kurzem Haar fängt an zu zucken.
Dann übergibt er sich, sackt in sich zusammen.
Er hört nicht auf, der Boden ist dreckig, noch stinkt es nicht.
Aber wahrscheinlich bald.
Seine Augen fangen an zu flackern.
Ich denke: „Nie wieder 16“ und steige aus.


Ich sitze auf meinem Balkon.
Die Sonne knallt mir auf den Kopf.
Es ist still, nur diese Elster krächzt.
Ich hasse sie.
Besonders nachts um drei, das macht sie sehr oft.
Ich sitze an meinem Holztisch, rauche, schaue runter.
Der Nachbar hinübergebeugt, spricht mit seinen Gartenzwergen,
pflegt sie, hegt sie.
Gießt die Blumen, damit sie nicht eingehen,
wie die vergangenen Gespräche mit seiner Frau.
Der Balkon strotzt vor lauter Kitsch und Sehnsucht nach mehr.
Weniger ist mehr, doch diese Gleichung kennen sie nicht.
Ich frage mich, ob ich auch mal so werde.
Ich finde keinen Grund dafür, aber noch ist früh, noch kann vieles
passieren.
Ich ziehe fast am Filter, grüße freundlich nachdem sie mich bemerkt haben,
gehe hinein.


Auf der Waschmaschine liegen fein säuberlich
5 pulvrige Linien.
Ordnung muss sein.
Ein wenig : „ Ich bin lieb zu dir“ ein Stückchen:
„Komm vergiss den Schmerz“ oder einfach manchmal
nur stumpfes Vergnügen.
Einmal König für ein Nasenreich.
Ich bin kein Richter.
Kein Henker.
Kein Mitmacher.
Beobachter.
Jeder hat sein Limit.
Das Leben hart am.

Ich beobachte Menschen.
Jeden Tag.
Am Bahnhof.
Durch mein Fenster.
Gegenüber.

Samstag, 12. Juni 2010

Interessenlos.







Es interessiert mich nicht wo du bist.
Wie es dir geht,
wie die Welt zu dir ist.
Was den Tag füllt.
Was ihn ermüdet.
Wer dir gut tut und
wer dir ganz und gar
über die Leber läuft.

Es interessiert mich nicht, ob du das liest und
ob ein Lächeln deinen fiesen Mund streift.
Noch weniger, ob du gerade,
in diesem Zeitpunkt viel zu lächeln hast
oder auch weniger
oder ob das Leben Zitronen reicht,
dass alles sauer ist
und du gar nicht anders kannst.

Ob du weißt wie man meinen Namen  
buchstabiert oder ob dir das Alphabet abgehauen ist.
Ob das Geld, das du verdienst dich gut ernährt
und das nicht nur mit Brot,
sondern mit Leib und Seele.

Es interessiert mich nicht,
ob deine Gedanken mir gehören,
heimlich, weil es verboten ist,
weil ich das so wollte.
Ob du dich daran hälst.
Ob Sophie in deine Träume kommt,
in die Tag- und die Nachtträume.

Es interessiert mich nicht,
ob du deine alte Einbauküche vermisst
oder die Neue besser ist.
Es ist egal, dass die Bilder die wir malten, 
an Farbe verlieren und
wir doch immer die Gleichen bleiben.

Noch finde ich es bemerkenswert,
dass wir etwas hatten ,
was nie greifbar war und noch
nicht einmal eine Angelegenheit,
die man einem Fremden erklären könnte.

Ich sehe Bilder & Puzzle,
wenn ich mir dein Bild anschaue,
aus "sehen wollen" und "sehen können".
Und bei den Lenden hört es auf,
weil ich dort immer hängen bleibe,
mit den Augen und vielleicht auch mit dem
hängen bleiben wollen.

Es interessiert mich nicht,
ob du wieder durchschläfst.
Wer schläft schon durch?
Ist diese neue Stadt eine bessere?
Eine ohne Worte und warme Decke?

Es ist mir egal, ob du manchmal weinst, 
vor Glück 
oder weil es gerade gegangen ist-
das Glück.
Es interessiert mich nicht, ob der Bäcker nett grüßt
und der Duft von frischem Brot so duftet,
wie an dem Tag wo es dir auffiel.

Ich erinnere mich nicht daran,
wie wir uns begegnet sind.
Also in Farbe,
noch an dem Punkt wo es die Wende nahm
und uns die Luft.
Und sowieso alle Möglichkeiten.

Ich kann mich nicht erinnern wer wen mehr brauchte,
für seine Belange
oder für die kurzen Momente um nicht
da zu sein, genau dort wo es in der Rille knackt.

Ich interessiere mich nicht mehr für deine 
wahrlichen Wunderworte in meinem Postfach,
die bestimmten ob mein Tag
Sonne hat oder vielleicht Regen.

Es ist schön zu wissen, dass du weg bist,
für immer und wenn man darüber nachdenkt,
dass du nie da warst.
Also nie eine sichere Bank,
eher nur eine kurze Erfolgskurve.

Vielleicht eine Idee von Fühlen oder fühlen wollen,
aber wer weiß dass schon in Zeiten von "eventuell"
und „Man weiß ja nie“.
Es ist so unfassbar gut , 
dass du mich nicht interessierst.
Kein Stück,
dass du keine Frage bist, nur Antworten.

Es ist so gut , dass es dich nicht mehr gibt
und auch nie gab,
nur eine Idee.
Eine erdachte.
Eine gefühlte.

Interessehalber wollte
Ich dich das wissen lassen,
dass ich einfach nicht an dich denke.





Freitag, 4. Juni 2010

Januar oder alles frisch bei neu.de

Der Januar der fing so alle Male triste an.
So war die letzte Beziehung vor gut einem Monat an ihrem Ende angekommen und ich schleppte mich mehr schlecht als recht vom Bett zum Bad und dann zur Arbeit.
Wer kennt es nicht? Da kleckert das Ende einer Zweisamkeit langsam und leise auf Einen zu und mit einem Poltern klopft es dann an die Tür, so laut, dass die Stereoanlage des Nachbars die eigentlich immer für Herzrhythmusstörungen sorgt, auf einmal Bachs fünfter Sinfonie gleicht.
Nun stand ich da.
Nicht mit dem Spatz in der Hand , sondern mit einer Taubenschar auf dem Dach. Wie kommt man aus dieser Singlenummer wieder raus?
Und überhaupt kann man, wenn das Herz unter Arrest steht, da überhaupt jemanden wieder reinlassen?
Nach den ersten vertrunkenen und durchheulten, hysterischen Anwandlungen stand der Entschluss fest: ein neuer Herr muss her!
Diese neuen nennt man auch gerne Zwischenbeziehungen, Ego-ficks und Pausenbrote, wenn der kleine Hunger kommt. Mein Hunger war aber nicht so klein, denn ich bin eine stattliche Frau, gewöhnt an gute Portionen und verwöhnt von den besten Nahrungsmitteln der vergangenen acht Jahre. Ja richtig. Die Dame residierte wohl behütet in langfristigen Verbindungen und dieser Zustand ist empfehlenswert. Alle guten Ratschläge von Freunden: Ach komm, lass dir Zeit, lass das Chi mal fließen und konzentriere dich mal getrost auf dich selbst, waren wie Seifenblasen, die kaum ausgepustet, sich schon im Knall auflösten. Nein, nein….da muss was her, sonst geh ich kaputt und ihr geht mit.
Gesagt getan, mal kurz von links nach rechts überlegt. Der Januar ist ja noch kalt, also wo sucht FRAU, genau, World Wide Web. Auf meinem samstäglichen Weg zu Ikea lachte mich sogleich ein großes Plakat an. Neu.de. Hier findet man den Partner für das Leben. Nun gut, ein Leben hab ich, einen Partner brauch ich und anmelden schad nichts. Gedacht getan. Zu Hause angekommen machte ich mich erwartungsvoll an meinen Rechner.

Login: Leigha.
Schnell das Profil bearbeitet und auf geht die Reise. Das schönste Lächeln ins Schaufenster gestellt und nun bleibt abzuwarten.
Es haben sehr viele Männer mein Profil angeklickt, ein paar Zeilen dagelassen, manchmal auch nur ein recht fragwürdiges lachendes Gesicht und ein: „Hey du bist sehr sexy, Lust auf einen Chat?“ oder „Heute schon was vor die Dame?“ Auch wenn die Dame nichts vorhätte, dass würde sie sich gewiss unter keinen verzweifelten Gründen antun.
Ein 38- jähriger aus dem Landkreis Brandenburg, mit dem ernstzunehmenden
Namen: „Weg-beamer“, schreibt mich an. Bei der genauen Betrachtung des Fotos und der grenzdebilen Antworten auf die besagten 20 Fragen, kann ich nur sagen, jede Frau würde sich gerne „wegbeamen“ bei einer Begegnung mit dieser Spezies. Abschließend bleibt mir bei dem nur zu bemerken: Beam me up Scottie und das so schnell wie nur möglich!
Aber das soll ja auch nicht alles sein, dann kommt noch eine schöne Nachricht von Sex on the Beach! Super, ich bin hellauf begeistert, jemand der sich solch einen Namen zulegt passt bestimmt zu meinem Typ Frau. So einen Typ Mann wünscht sich jede Frau, da bin ich mir ganz sicher.

Bei manchen Herren schmückt auch „Pfiffi“ oder die kleine Katze „Muschi“ den Hintergrund und zu meinem Erschrecken manchmal auch den Vordergrund. Wer wünscht sich nicht ein sensibles Wesen, welches jegliche Pflichten übernimmt und zugleich ein fürsorgliches Herz in der Brust zu schlagen hat. Mal ehrlich, wer wünscht sich nicht einen Mann, der auf dem Bild schon so langweilig und alt wirkt, so alt, wie man nie zu werden hofft?

Dann gibt es auch noch die Herrschaften, die nach einem langen und ausgiebigen Bürotag, wahrscheinlich ziemlich blutarm, weil mehr als die Bildschirmlampe bekommen sie ja nicht zu Gesicht, schnell und hurtig, hurtig nach Hause eilen, Dr.Wagners beste Steinofenpizza in den Ofen schieben und sich just, wie jeden Abend, um 21.25 Uhr einloggen und los geht die Aquise.

Manche Frauen nutzen diese Foren ja auch liebend gerne für die kleine Affäre zwischendurch, anonym, schnell, unpersönlich und hopp,hopp. Ich dachte früher Männer haben sie manchmal nicht alle an der Waffel, aber seit meiner Registrierung muss ich meinen voreiligen Standpunkt revidieren, bei den ganzen: Mimis, Mausis, Sternschnuppen und Kuschelmimis, da bleibt einem nicht nur die Spucke weg, sondern gleich der ganze Atem.

Soeben hat mich Raquel aus Venezuela angeschrieben, auf den ersten Blick kann ich dabei nicht recht unterscheiden, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, aber etwas transsexuelles kann ich mit Gewissheit zuschreiben, sucht wohl Kontakt zwecks Einreise nach Europa, Aufenthaltsgenehmigung und Scheinehe, etc pp. Vielleicht ist es ja auch eine Lesbe, die auf mein allzu entzückendes schwarz-weiß Foto abfährt. Nun gut, diesen Sachverhalt werde ich wohl nie klären können.
So sei es drum.

Dann gibt es zu meinem Entzücken noch Paolo. Paolo kommt aus Italien und sieht zugleich hinreißend aus, wenn das wirklich Paolo sein sollte. Man, bzw. Frau in diesem Falle, weiß ja nie. Paolo scheine ich es auch mächtig angetan zu haben, denn er guckt sich in 10 minütigen Zeitabständen mein Profil an. Er lässt mir dann nach anfänglichen Schwierigkeiten auch gleich eine Einladung zum Chat da, die ich dann einfach mal so stehen lasse, weil ich kein Wort davon übersetzen kann.
Wir hätten es so schön haben können.
Nun gut- da muss eine andere Mama Leone her.

Ich bin recht ernüchtert und nach dem ersten Tag bleibt mir ein erschreckendes Fazit:
Erst einmal: LOGOUT!!!

Eigentlich hätte mir der erste Tag reichen müssen. Eigentlich gebe ich solchen virtuellen Köstlichkeiten keine zweite Chance um sich in mein Gedächtnis einzubrennen, denn wie sagt der Volksmund immer so gerne: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Nichtsdestotrotz wohl mehr aus Langeweile, als aus der Hoffnung etwas Passendes zu finden, habe ich mich erneut eingeloggt. Und auf einmal bekomme ich eine Nachricht und ich kann es kaum glauben, ich muss nicht nach jedem zweiten Wort Rätsel raten was es vielleicht bedeuten könnte, da der Herr offensichtlich die deutsche Grammatik gut beherrscht. Nach der ersten positiven Überraschung, ein Blick auf die Fotos- mein lieber Herr Gesangsverein-Photoshop ist auch nicht involviert und eine nette und witzige Nachricht bezugnehmend auf mein Profil.
Felix ist 26 Jahre alt, Architekturstudent und scheint eine recht interessante Erscheinung zu sein, äußerlich und auch inhaltlich, wohl bemerkt.
Nach regem Hin und Her schreiben kommt die Frage nach der Telefonnummer und der erste Stimmencheck. Der mich jedoch rückblickend etwas erstaunt hat, denn die Stimme hätte auch von meinem jüngeren Bruder stammen können und der ist achtzehn. Nun gut, was sagt denn schon so eine Stimme über einen Mann, die kann er sich ja bekanntlich nicht selbst aussuchen und vielleicht ist das anatomisch ja irgendwie rechtzufertigen, dass mancher Mann erst zur späteren Stunde in die Pubertät kommt. Und manch anderer scheint mir auch nie aus der besagten jemals raus zu kommen, aber das ist eine andere Geschichte und diese wird auf einen späteren Monat vertagt.

Felix entpuppt sich als miese Briese.
Mein Account dient nur noch der Statistik.
Bilanz ziehend: 337 Anschriften, davon 336,5 für die Tonne.
Das Leben in 3D ist der bessere Pool, mit Geschmack, Geruch und Mimik.
Künftige Plakate werden ignoriert.
Jetziges Leben genossen.
Erfahrungswerte gerne geteilt.
Der Sommer duftet so schön frisch und wer teilt schon gerne ein 1,40 m Bett?

ANNA


Gestern hast du geweint.
Den Tag davor auch,
die Jahre davor- ganz zu schweigen.

Und du durchkreuzt Wege und legst Steine in den Weg.
Verpasst die Aufmerksamkeiten des Lebens.
Bemerkst nicht die Sonnenstrahlen vor deiner Tür.
Blass sitzt du vor ergrauten Bildern, die im Inneren farbenprächtig
und bunt pulsieren.

Nährst dich an fremden Körpern.
So bist du eine von den vielen
und doch stehst du auf geliebt - ungeliebt,
auf wackligen, stolzierenden Beinen in deine stille Welt.

Wie oft habe ich dir den Kopf gehalten mit meinen Worten?
Und so ist alles offensichtlich.
So tickt die Uhr für jeden vorwärts,
nur du zählst die Minuten rückwärts.
Du klammerst dich so gerne an Details.
An kleine Hoffnungsträger und mögen sie so winzig sein,
dass sie nur einen Hauch von Möglichkeit deuten.

Und so blühen Blüten und es färben Blätter
und dein Kummer bleibt der Gleiche,
unabhängig von der Wiederholung aller Jahreszeiten.
Und die Farbe der Tapete an den Wänden wird immer fahler
und grauer vor lauter Zigaretten und rauchender Gedanken.

Und ich sehe dich dort sitzen,
auf dem Couchparadies mit blass werdenden Bildern und
bunt geweinten Tränen.
Und du suchst kleine Inseln der letzten Möglichkeiten,
jedes WENN und ABER stolziert ganz groß aus deinem Mund.

Dennoch jedes ABER und jedes WENN führt in die gleiche Straße und die heißt:

Er liebt dich nicht.
Hast du keine?
Sind die Nächte still?
Rollen die Tage rund?
Zweifelslose Kreise.
Kopfbahnhöfe.
Endlos loops.
Zweifel.
Sag hast du keine?




Andy Warhol: 
"Das ist aber ein wirklich schönes Apartement.
Gegenüber:
"Ja, es ist groß genug für einen oder zwei die sich wirklich nahe stehen."
Andy Warhol: 
 "Kennst du zwei die sich wirklich nahe stehen?"


Be courageous.







Pixelherzen