Finde es heraus.

Montag, 21. Juni 2010

Eins.Zwei.Drei.


Bar.

Langer Mantel, dunkle Hose, eine Mütze schief auf dem Kopf.
Kariert.
Die Augen dunkel umrandet.
Was für Züge durch deine Kopfbahnhöfe rasen?
Es ist Samstag.
Ein Geburtstag.
Ein guter Tag, zwischen all den schlechten.
Ich nippe an meiner Cola, die eiskalt im Rum schwimmt.
Du sitzt auf dem Hocker, umzingelt von vertrauten Herzschlägen,
die mit meinen Offbeat gehen.
Dein Oberlippenbart irritiert mich.
Ich versuche hinter ihm das passende Gesicht für meine Vorlieben zu finden.
Ich komme nicht sehr weit.
Ich setze mich zu dir.
Ich erzähle, du inhalierst mich.
Ich schaue weg, aber diesen Blick fängst du.
Du bist nicht mein Typ Mann.
Du bist mein Typ Mensch.
Ich suche in dir ein wenig von mir.
Ich finde viele Worte, die sich gut ineinander haken.
Solche die einen eher zusammenfügen, als auseinander reißen.
Ich glaube dir.
Bedingungslos.
Dein Beruf ist Schauspieler.
Akt eins.

Bett.

Ich liege rechts.
Links ist es wärmer.
Aber du kannst nur links, denn der Nordwind weht und bringt schlechte Träume.
Es ist dunkel, ein kleines Licht ohne Lampenschirm.
Ich sehe Kleinigkeiten, die zu einer anderen Frau gehören.
Kleine Tapse des Lebens, verschollen in Wohnungswinkeln.
Ich übersehe sie.
Sie haben nichts mit mir zu tun.
Ich fahre mit meinem Finger über deinen Oberkörper.
Umkreise deinen Bauchnabel und stocke über der kleinen Wölbung unter ihm.
„Ich bin fett “ höre ich dich sagen.
Ich lache, weil ich mich an deinen Rippen stoße.
Atme ein, aus, ein, aus.
Ewigkeiten atme ich.
Ich bin bei guter Puste.
Ich erzähle.
Finde keinen Punkt, kein Komma, überspringe Absätze.
Wir sind einander nah-näher als ich mir in den vergangenen Wochen selbst war.
Wir teilen.
Das macht immerhin die Hälfte dessen, was man sonst alleine tragen müsste.
Ich mag dich.
Es sind nicht Tage, die uns vorgeben was wir einander fühlen lassen.
Es sind Augenblicke.
Zeitfenster.
Du schläfst.
Ich gehe.
Akt zwei.

Berlins Strassen

Ich sitze im Taxi.
Das Radio läuft, Multikulti.
Es ist Berlin, das muss wohl so sein.
Der Fahrer ist in meinem Alter.
Es riecht nach Gras.
Es war der Abschlussjoint, lasse ich mir sagen.
Meine Augen sind müde, wandern an den Schneeflocken entlang, die sich an der Fensterfront kräuseln.
Dein Geruch klebt mir an den Haaren, wie die Augen des Fahrers an meinem Gesicht.
Die längste Kurzstrecke meines Lebens.
Mein Herz pocht unbekannte Takte-Herzryhthmustörungen.
Ich denke an den Satz:
„Wir standen uns so nah, dass es zwischen uns keinen Platz gab für Gefühle.“
Ich lache ein wenig über den Irrsinn dieser Aussage.
Das Taxi hält- „Möchtest du noch einen Kaffee trinken?“
Nein, ich möchte nicht.
Ich zahle und gehe.
Akt drei.

Das ist die Geschichte von zwei Nackten in drei Akten.

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