Finde es heraus.

Donnerstag, 23. September 2010

Ich war glücklich



Ich war glücklich.

Wahrscheinlich aus heutiger Sicht schier unmöglich.
Wenn es nicht klingelt oder piept oder irgendwo in Neonschrift aufleuchtet.

Als ich fünf war gab es 3 Sender.
Vor den Nachrichten kam die Gutenachtgeschichte.
Es gab keine Werbeunterbrechungen und wahrscheinlich weniger Zahnpasta
in den Regalen als jetzt, das war okay, denn 5 zur Auswahl reichten auch.

Ich trank Wasser aus dem Wasserhahn und machte mir keine Gedanken darüber ob die Kupferrohre irgendwie verpestet waren oder die Bleibelastung sich auf meine Organe auswirken würde.

Ich schlug Knie auf, riss Löcher in meine Klamotten und der doofen Milka in
der 5.Klasse ihre Haare aus.
Ich kloppte mich und es gab kein Disziplinarverfahren, sondern einen versöhnenden Händeschlag und man verbündete sich neu.

Ich hatte keine Playstation, Nintendo, X-Box, Computer , Internetchatrooms, Counterstrike Communities, überhaupt gab es keine Communities und Anglizismen waren unnötig.

Ich trug keine Uhr, denn wir spielten solange auf der Straße bis die Laternen angingen. Manchmal überzog man und sagte einfach, man hätte es nicht mitbekommen.
Die innere Uhr hatte einen guten Rhythmus.

Man verabredete sich.
Komischerweise hielt man Wort.
Keine Wenn und Abers .
Keine unvorhersehbaren Staus, keine plötzlichen Durchfallattacken oder Migräneanfälle, die man schnell per Sms mitteilen konnte.
Worte sind geduldiger als Taten.
„Um fünf  Uhr an der roten Telefonzelle“, ich könnte es beschwören,
wir waren sogar 4 Minuten früher da.

Man lernte sich kennen, durch ansehen und nicht durch Bilder im Netz.
Die Mimik, die Gestik, der Geruch. 
Heute fotografiert man sich von oben, damit man schlanker wirkt.
Verzieht grenzdebil hässliche Münder, zeigt sich von seiner besten Seite, bearbeitet Bilder in Photoshop um tatsächlich etwas zu sein , was man nie im Leben ist.
Man lügt sich in die eigene Tasche und was schlimmer ist, dem Unbekannten in die fremde, denn die Realität zieht einem einen Strich durch die Rechnung.

Jeder macht irgendetwas.
Höher. Weiter. Schneller. Besser.
Wir denken alle so.
Der eine kann ganz famos schlecht singen, er muss es uns zeigen.
Popstar, Superstar, What-the-hell-star.
Wir twittern, zwitschern, schlafen mit Handy am Bett.
Und wie viele Klicks hat dein Youtube Video?
Nackte Brüste die uns anlachen, an jeder Ecke, auch in die die man nicht sehen mag.
Wir sind wer wir sein möchten.
Wir erfinden uns immer neu.
Wir wissen nicht mehr wer wir waren, bevor wir wurden was anderen gefällt.

Wir lieben alle lieber im Lightformat, damit der Kummer 
hinterher  keine XXL-Hosen braucht.
Wir vertrauen nicht.
Hinter jedem Worte steckt der Teufel im Detail.
Wir suchen den Fehler.
Wir suchen immer den Fehler.
Denn ein Wort zählt heute nicht, denn wir gebrauchen unsere so
beliebig wie es gerade nützlich sein könnte.
Die Matrix ist beschädigt.

Wir sind so oder so und tatsächlich hat diese Aufzählung kein Ende als Ziel.
Jedoch das was in mir wohnt und was sich Erinnerung nennt, gibt mir noch die Hoffnung all das kann weiterleben und noch einmal beginnen.
Ich muss es nur wollen.


Freitag, 17. September 2010

Sommer





Duftende Restsommernächte und ich presse den Körper
an den knochigen Leib.
Warm, voller Druck an die gewölbten Stellen.
Widerstand.
Die Blumen knicken im vertrockneten Gras,
unser Gewicht drückt doppelte Kuhlen in den Sandboden.
Wir atmen warme Luft ein.
Wir atmen warme Luft aus.

Drum ´n´ Bass pocht durch uns hindurch.
Als wenn es sich aufzwängt.
Als wenn es sagen würde:
„Hier, nimm mich!“
Was soll ´s , komm in unsere Mitte.
Deine bemalten Arme pausen Schatten auf meine weiße Haut.
Lächerlich schlechte Gemälde im Mondlicht.
Nachts sind alle Katzen grau, sogar die jämmerlich Schönsten.

Grillfleischgeruch, nackte Beine und wallende Hitze.
Sag die richtigen Worte, fass an die falschen Stellen.
Hipster Generation unter freiem Himmel.
Bunte Klamotten, zerrissene Fetzen.
Ich würde es nicht als Lappen benutzen
und es ziert ihren kleinen knackigen Arsch.
In einer lauten bunten Sommernacht.

Wrack´ mich ab. Wrack´ dich ab.
Lebe dich durch, heute Nacht.
Der Soundtrack deines Lebens unter freiem Himmel.
Gezäunte Wünsche, getürmte Träume.
Küssende Münder, warmgetrunkene Körper-
im Takt.
Silhouetten werfen Schatten.
Warmer Schoß und nasse Gedanken.

Am Zaun sehe ich zwei wippende Körper-
ihr seid jung.
Komm leb´ dich aus, komm mache weiter.
Der Mauerpark beherbergt alle Gäste.
Am Rande seiner Möglichkeit.
Ich schaue zu.
Vielleicht kann ich noch etwas lernen.
„Nein, kann ich nicht“ erkenne ich.

Wir sind okay.
Sind wir?
Es ist Sommer, wir müssen.
Das Gegenteil gehört dem Winter.



Freitag, 10. September 2010

Papier



Ich streiche über das Papier, das fünfte oder sechste.
Die Worte füllen nur Fläche.
Keinen einzigen Sinn.
Geschriebene Striche in Reihenfolge.
Worte, ordnungsgemäß und doch nichts sagend.
Aneinander gereihte Erinnerungsfetzen und
doch nicht annähernd so bunt beschrieben, wie erlebt.

Die Hände, braun und weiß, ineinander geflochten.
Nicht weil sie müssen, sondern weil sie keine andere Wahl haben.
Weil sie dort anfassen wo keine Silben Platz nehmen.
Wo sie treffen, direkt in die Mitte.
In manchen Tätigkeiten kann man sich finden, in anderen verlieren.

Das Holz atmet aus seinen Poren und ich sage
lächerlich Dinge um die Stille zu überlisten.
In unseren Worten schwang viel wenn und aber.
Zwischen den Sätzen machten wir lange Pausen, die im Bauch schmerzten.
Einen echten Vorwurf machten wir nicht.
Dafür hundert winzige falsche.
Es kommt der Spruch in Sinn, der mit dem Mutigen und dann mit dem Feigling.

Ich denke zurück.
Wie ich auf schwachen Beinen wanke, in die Summe aller „Aber…“.
Wie ich unaufhörlich nach dem Anker suche, den beide nicht bereit sind zu setzen.
Wie deine Bilder in meinem Kopf ihr Reihenhaus bauen.
Was wohl blaue Augen mit einem Paar braunen für eine Lösung ergeben?
Wie es ist, in einem Zelt voller du und ich einzuschlafen, obwohl die Luxussuite nebenan frei ist.
Wie die Finger mein Gesicht berühren und du leise meinen Namen sagst.
Und ich dir ein Stückchen dieses Namens überschreibe.
Schön.
Nicht außen, nicht nur.
Innen.

Wie zwei Hälften ungewisser Weise, aus Furcht und Feigheit nie die Möglichkeit bekommen ein Ganzes zu werden.
Weil niemand den Regen abwarten wollte, um zum Regenbogen zu kommen.
Und all das ohne ein Abschiedskuss, denn Abschiedsküsse versprechen ein Wiedersehen und Versprechen liegen uns nicht.

Papier.




Montag, 6. September 2010

Öffnet gutes Aussehen Türen oder verschließt es sie?




So ist es nicht ungewöhnlich, wenn gut aussehenden Frauen in Bars öfters einer ausgegeben wird. 
Oder wenn beim Vorstellungsgespräch der gewünschte Job gerade an die Dame geht, die die längeren Beine, die schöneren Haare und das makellose Lächeln vorzuweisen hat, trotz möglich schlechterer Qualifikationen.
Auch scheint es ungerecht, dass genau diese Frauen an ihr Ziel gelangen, als jene die zielstrebig dafür arbeiten und Gott sie eher mit einem scharfen Verstand, als mit einer makellosen Nase ausgestattet hat.

Aber ist dieses zugleich Gesetz?
Schließt das Eine das Andere zeitgleich aus?
Sind Intelligenz und Schönheit zwei Dinge, die nur nebeneinander fungieren und nicht konform gehen und sich durchaus die Hand reichen können?
Sowohl ist auch das schwer zu bemessen, denn Schönheit ist bekanntlich subjektiv und liegt im Auge des Betrachters.
So kann ein großer Mund den Einen entzücken, dem Anderen wiederum ein Graus sein.
Aber es gibt sie nun mal diese messbare Schönheit, diese allgemeine Norm die dazu gezählt wird.
Die Symetrie eines Gesichts, welche oft das Herz oder das Auge oberflächlich erfreut.
Und von dieser Schönheit ist hier die Rede.

Es gibt immer Schubladen die Kategorien erfüllen.
So stecken Menschen andere Menschen gerne in diese Schubladen und schließen diese meistens auch zu.
Geben ihnen keinen Raum zum Atmen.
Es gibt viele dieser Schubladen und Massen dieser Schränke in denen sie ruhen.
Ein ganzes Möbelhaus voll.

Letztens habe ich ein Gespräch geführt.
Ein gutes Gespräch, ein interessantes Gespräch mit einem Mann.
Schönheit. Verstand. Dummheit. Arroganz. Hässlichkeit. Seele. Menschlichkeit.
Ich denke es gibt viele Sprüche die jeder kennt, die Vorurteile nähren, die Klischees bedienen:
Blond und blöd.
Frau gleich handwerklich ungeschickt.
Hübsch aber nichts im Kopf.
Dumm fickt gut…..und intelligent fickt dann schlecht?
Auch diese These oftmals widerlegt, je höher die Intelligenz, desto höher das Einfühlungsvermögen, aber das nur am Rande und auch nicht dass es hier von Bedeutung wäre.

So führe ich dieses Gespräch, offen für neue Sichtweisen,
gespannt auf neue Pfade und komme zugleich zu folgender Erkenntnis:
Es ist nicht vorrangig wie man aussieht, natürlich ist es Bonusmaterial wenn man schöne Augen hat, aber gleichzeitig ob es Türen öffnet oder diese durch Vorurteile verschließt, hängt im hauptsächlichen Maße von einem selbst ab.
So ist die Persönlichkeit und die Offenherzigkeit eines Menschen viel blendender als das Äußere zu versprechen vermag.

So habe ich wunderschöne Frauen gesehen, wo jede beliebige Straßenlaterne mehr Ausstrahlung hatte
als die soeben genannten.
So habe ich Frauen gesehen, intelligente Frauen, mit Tiefgang, mit kleinen Makeln, die so faszinierend waren, dass man fast an genau diese Straßenlaterne gelaufen wäre.

Und zugleich lässt es mich erkennen, dass alle Zeitschriften, die um die Leserschaft ihrer Auflage buhlen, mit konkreten Tipps, Tricks und Ratgebern zu nichts verhelfen, außer zu völlig grenzdebilen Erkenntnis, sich genau darüber Gedanken zu machen und möglicherweise nach Formaten zu suchen, welches jenes belegt, anderes widerlegt und drittes zerlegt.

So bleibt mir abschließend festzustellen, dass Türen da sind zum Öffnen, Hindurchgehen, Schließen und erneutem Öffnen.
Sie haben Scharniere und das ist auch gut so.


                                            Real Beauty lies in the eyes of the beholder....


Pixelherzen