Ich war glücklich.
Wahrscheinlich aus heutiger Sicht schier unmöglich.
Wenn es nicht klingelt oder piept oder irgendwo in Neonschrift aufleuchtet.
Als ich fünf war gab es 3 Sender.
Vor den Nachrichten kam die Gutenachtgeschichte.
Es gab keine Werbeunterbrechungen und wahrscheinlich weniger Zahnpasta
in den Regalen als jetzt, das war okay, denn 5 zur Auswahl reichten auch.
Ich trank Wasser aus dem Wasserhahn und machte mir keine Gedanken darüber ob die Kupferrohre irgendwie verpestet waren oder die Bleibelastung sich auf meine Organe auswirken würde.
Ich schlug Knie auf, riss Löcher in meine Klamotten und der doofen Milka in
der 5.Klasse ihre Haare aus.
Ich kloppte mich und es gab kein Disziplinarverfahren, sondern einen versöhnenden Händeschlag und man verbündete sich neu.
Ich hatte keine Playstation, Nintendo, X-Box, Computer , Internetchatrooms, Counterstrike Communities, überhaupt gab es keine Communities und Anglizismen waren unnötig.
Ich trug keine Uhr, denn wir spielten solange auf der Straße bis die Laternen angingen. Manchmal überzog man und sagte einfach, man hätte es nicht mitbekommen.
Die innere Uhr hatte einen guten Rhythmus.
Man verabredete sich.
Komischerweise hielt man Wort.
Keine Wenn und Abers .
Keine unvorhersehbaren Staus, keine plötzlichen Durchfallattacken oder Migräneanfälle, die man schnell per Sms mitteilen konnte.
Worte sind geduldiger als Taten.
„Um fünf Uhr an der roten Telefonzelle“, ich könnte es beschwören,
wir waren sogar 4 Minuten früher da.
Man lernte sich kennen, durch ansehen und nicht durch Bilder im Netz.
Die Mimik, die Gestik, der Geruch.
Heute fotografiert man sich von oben, damit man schlanker wirkt.
Verzieht grenzdebil hässliche Münder, zeigt sich von seiner besten Seite, bearbeitet Bilder in Photoshop um tatsächlich etwas zu sein , was man nie im Leben ist.
Man lügt sich in die eigene Tasche und was schlimmer ist, dem Unbekannten in die fremde, denn die Realität zieht einem einen Strich durch die Rechnung.
Jeder macht irgendetwas.
Höher. Weiter. Schneller. Besser.
Wir denken alle so.
Der eine kann ganz famos schlecht singen, er muss es uns zeigen.
Popstar, Superstar, What-the-hell-star.
Wir twittern, zwitschern, schlafen mit Handy am Bett.
Und wie viele Klicks hat dein Youtube Video?
Nackte Brüste die uns anlachen, an jeder Ecke, auch in die die man nicht sehen mag.
Wir sind wer wir sein möchten.
Wir erfinden uns immer neu.
Wir wissen nicht mehr wer wir waren, bevor wir wurden was anderen gefällt.
Wir lieben alle lieber im Lightformat, damit der Kummer
hinterher keine XXL-Hosen braucht.
Wir vertrauen nicht.
Hinter jedem Worte steckt der Teufel im Detail.
Wir suchen den Fehler.
Wir suchen immer den Fehler.
Denn ein Wort zählt heute nicht, denn wir gebrauchen unsere so
beliebig wie es gerade nützlich sein könnte.
Die Matrix ist beschädigt.
Jedoch das was in mir wohnt und was sich Erinnerung nennt, gibt mir noch die Hoffnung all das kann weiterleben und noch einmal beginnen.
Ich muss es nur wollen.


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