
Ich kenne einen Mann. Nennen wir ihn Max.
Max ist mittelgroß, mittel braunhaarig, mittelschön und dennoch hat Max gewiss auf den zweiten Blick genau das, was man mit dem Ersten vielleicht übersieht.Eine Portion Charisma, eine Kombination von interessanten Ansichten, gutem Musikgeschmack und ganz brauchbarem Augenaufschlag.
Max, würde mir in der Bahn nicht auffallen, denn ich interessiere mich für andere Menschen.
Menschen mit Kokoloresfrisuren, offensichtlich nach außen getragenen Selbstfindungsreisen und vielleicht einem Hang zur Extravaganz, tendierend zum Wahnsinn.
Ich weiß nicht ob diese Vorliebe förderlich ist bei der Zusammenführung von Herzschlägen, aber darum geht es nicht.
Es ist einfach so - Durchschnitt ist im Querschnitt einfach leicht zu übersehen.
Ich sehe Max nicht oft, aber wenn das passiert, ist es Freude.
Ob gespielte, in dem Moment empfundene oder nur ersehnte, ich denke eine Mischung aus Vielerlei.
Wir umarmen uns, vielleicht eine paar Sekunden zu lang, ein paar Herzschläge zu schnell und flüstern uns Nettigkeiten ins Ohr.
Das neue Mitte Gefühl, die neue Jonas-Fabian Generation mit zwei Nummern zu kleinen grauen Strechhosen.
Und so passierte es auch letztens.
Wir saßen uns gegenüber, plänkelten ein wenig von rechts nach links, tanzten mit den Worten um die tatsächlichen Aussagen umher und dann kam sie.
Laura.
Laura, ein Mädchen mit glänzendem braunen Haar, makelloser Haut, einem zu breitem Lächeln.
Quergestreift, lieblich, auf französisch gestylt ,mit unaufdringlichem Elan, zarter Eleganz, ein Hauch von Unbeholfenheit, enges Top.
Im Raum sitzend, hilflos und dennoch bewusst ihrer Wirkung.
Ich zählte von eins bis drei, nicht länger dauert es, bis der Funke springt.
Max steht auf Models.
Und wenn sie keine sind, dann könnten sie mit viel Fantasie welche sein.
Ich sitze daneben und schaue mir das Spiel an.
Ein Wort ergibt das andere, das von „Was machst du?“ bis „Ach ja mhmmm, das ist wirklich interessant!“
Ich sitze dort und schaue zu, wie in der ersten Reihe, im Theater, mit Logenplatz, VIP, kostenlos, da halt anwesend.
Die tatsächliche Anwesenheit, einfach eine natürliche Begebenheit der Umstände.
So ist das also.
Ganz einfach.
Augenblicklich verschwindet die eigene Anwesenheit im Sumpf der Selbstverständlichkeit.
Ich lausche, bin Zaungast und doch verpasse ich jeden zweiten Satz, bin fasziniert der fortlaufenden Geschehnisse.
So ist es egal, wie aufgerüscht, wie affektiert zurecht gemacht.
Sympathie kennt keine Regeln der äußeren Lipgloss- und Schleifenfraktion.
Ich frage mich tatsächlich:" Worüber unterhalten sie sich?"
Was laufen da für Filme ab, wer spielt deren Hauptrollen und wie einfach ist es als Komparse bei der ganzen Geschichte mitzuwirken?
Nicht dass ich Max wollen würde, wahrscheinlich nicht einmal um des Wollens willen, aber dennoch ist dieses Schauspiel Oscarreif, die pure Balzerei, das Knistern in verrauchter Umgebung, faszinierend.
Ich drehe mich um, ein wenig desinteressiert, denn scheinbar sind meine Geschichten nur das „Wer ist Wer“ von gestern.
Gähne ein wenig, sehe hinab an meinem viel zu engem Oberteil, vollgekleckert mit Wodka-Lemon, leicht irritiert , wie sehr und dann doch so wenig, das alles mich berührt.
Max schwitzt im Glanze seiner Anstrengung, Laura lächelt leicht und unbeholfen, ich gähne desinteressiert in Anbetracht der offensichtlichen Umstände.
Müde, vielleicht ein wenig geplagt vom eigenen Liebeskummer.
Ich frage mich still, im Inneren, wie viele Geschichten so anfangen und dann irgendwie enden.
Wie viele meiner Geschichten so anfingen, mit einem zu breitem Lächeln, lieblich auf französisch gestylt mit unaufdringlichem Elan, zarter Eleganz, ein Hauch von Unbeholfenheit, engem Top.
Ich weiß es nicht, aber ich kenne Max.
Max jagt um des Jagens willen und so perfektioniert sich die hohe Kunst des Nichtfühlens, in einer Stadt mit einer Einwohnerzahl von 3.426.354.
Und ich halte mich ganz einfach an Romy Schneider:
„Ich gehe immer aufs Ganze. Ich verschwende mich. Ich liebe mit ganzem Herzen. So ist das.“
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