Hängende Schnüre umrandeten dein Gesicht.
Wie blondes Stroh, gelb, orange oder irgendeine verwandte Nuance.
Dünnes, wehendes Haar, oben plattgedrückt, unten fransig.
Man sagt blond lockt, ich wüsste an deinem Beispiel, nur nicht wen.
Es ist einmal um die Ecke bei mir.
Auf und ab wandertest du deine Wege.
Manchmal, Sonntags, wenn es ganz früh war und ich schon wach war oder immer noch,
wenn die Luft noch kühl roch und ich mir die Sneaker an die Füße zog, dann ging ich
bewusst diesen Weg.
Vielleicht um dich zu sehen, vielleicht auch, um zu sehen wie viel besser es mir ging
oder aber auch weil es mich zu euch zog.
Zu dir.
Weil ich verstehen wollte warum und weil die Sensationsgeilheit dazu gehört.
Weil man durch schlechter, immer etwas besser zu sein scheint.
Und genau das macht einen nur noch erbärmlicher, als all die guten
Erklärungen und Gründe dagegen.
Mensch sein ist keine einfache Angelegenheit.
Und wie schön ist´s wenn der Mensch Mensch ist, nichts weiter.
Ich habe dich letzten Sommer das erste Mal gesehen.
Es war heiß und ich noch ganz benommen.
Torkelnd, auf hitzewellen schlagendem Asphalt.
Die Nacht war lang, wenn auch gewöhnlich.
Nichts besonderes, nur ein paar Drinks und laue Worte.
Die Zeit totschlagen, das Leben plätschern lassen.
An solchen Abenden merkt man das man atmet, aber nicht unbedingt wofür.
Dein Körper, ausgemergelt , braungebrannt, wie bei alten Feldarbeitern,
dünne Arme, voller Sehnen, blaue Adern schimmernd durch die gespannte Haut.
Blonde Haare und gelbes T-Shirt.
Die Beinchen wie zwei dünne Hölzer, bei jedem Knick, dachte ich sie könnten brechen.
Die Augen wässrig blau, keine Farbe nur hell, hell, hell ins Nichts.
Ich blieb stehen und sah dich an.
Ich konnte nicht weiter gehen.
Es ist nicht so, dass ich diese Anblicke nicht gewohnt bin.
Ich lebe in Berlin. nichts was es nicht gibt.
„Im Sommer tust du gut und im Winter tut´s weh“
Ich sehe vieles und ich sehe viele.
Die Aufgerüschten und die Kaputten.
Ich drehe mich selten um, wofür auch, die Stadt lässt Mitgefühl und Nächstenliebe
unter Zeitdruck nur bedingt zu.
Aber bei dir war es anders.
An dir konnte ich nicht vorbei gehen.
Der Straßenstrich. Der Babystrich. der Drogenstrich.
„Sag wie viel jünger bist du als ich?“
Von dem Tag an, habe ich dich öfter besucht.
Gab dir in Gedanken immer andere Namen.
Gelbes Spaghetti Trägertop. Gelbes T-Shirt. Gelber Pullover. Gelbe Leggins.
Immerhin kannte ich deine Lieblingsfarbe, wenn ich auch schon so nichts wusste.
Deine Augen waren voll von ausgeblichenen Träumen und
heroinverschwommenen Wünschen.
Tote Seele im lebenden Körper.
Du warst wie ein Magnet.
Ich das Plus und du das Minus.
Ich wollte wissen wer du bist.
Du warst auch Tochter, vielleicht Mutter, Freundin, möglicherweise Geliebte, sicherlich
Geliehene, jedenfalls für 15 Minuten oder 20 Euro.
So ging der Sommer über in den Herbst und ich musste sicher gehen , dass du noch lebst.
Für mein Gefühl und für mein Hoffen, denn ich dachte manchmal schafft man es, auch wenn
niemand daran glaubt und wenn niemand an dich denkt.
„ Es geht gerade niemand an das Telefon, dort wo das Glück in deiner Seele wohnt“
Ich dachte immer an dich.
Ich denke immer noch an dich.
Es wurde kalt.
Frostig kalt und ich wusste unsere Tage waren gezählt, die gemeinsamen.
Die letzten.
Die lebenden.
Wir hatten nur einen Sommer.
Ich hoffte, du hättest noch so viele weitere.
Du warst schon tot als ich dich sah, das erste Mal.
„Der laufende Tod“ habe ich mal jemanden sagen hören.
An einem Sonntag warst du weg.
Ich wusste es.
Für immer.
Und wenn ich manchmal CLUESO höre, dann hoffe ich, dass er vielleicht auch von dir spricht:
„Manchmal trifft sie sich mit ein paar Leuten,
an einem unbestimmten Platz.
Und wenn dort frisches Zeug durch die Adern fließt,
gibt man den Löffel an die Kumpels ab.
Und diesmal ist sie nicht gekommen,
vielleicht hat sie es nicht gepackt.
Nur eine kleine Nachricht ist alles was sie hinterlassen hat.
Ich komm nie mehr ich bin in Chicago,
in Chicago.
Irgendwo wo mich keiner kennt, ich komm nie mehr.
Ich bin in Chicago in Chicago dort wo niemand, niemand meinen Namen nennt“
an einem unbestimmten Platz.
Und wenn dort frisches Zeug durch die Adern fließt,
gibt man den Löffel an die Kumpels ab.
Und diesmal ist sie nicht gekommen,
vielleicht hat sie es nicht gepackt.
Nur eine kleine Nachricht ist alles was sie hinterlassen hat.
Ich komm nie mehr ich bin in Chicago,
in Chicago.
Irgendwo wo mich keiner kennt, ich komm nie mehr.
Ich bin in Chicago in Chicago dort wo niemand, niemand meinen Namen nennt“
GELB.


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